Deutsche Bahn erhöht Preise für Paris-Reisen drastisch
Olympia-Tickets kosten 83 Prozent mehr, Hotels senken Preise deutlich.

Die Deutsche Bahn könnte sich bei Sportbegeisterten in diesem Sommer erneut unbeliebt machen. Nach den zahlreichen Verspätungspannen während der Fußball-Europameisterschaft, die viele Fans, TV-Kommentatoren und sogar eine Spielermannschaft um die rechtzeitige Ankunft im Stadion bangen ließen, droht dem Staatskonzern während der Olympischen Spiele in Paris ein weiterer Imageschaden. Wer von Freitag, dem 26. Juli, bis zum 11. August von Deutschland aus in die französische Hauptstadt per Bahn reist, muss für sein Ticket 83 Prozent mehr bezahlen als zur gleichen Zeit vor einem Jahr. Das ergaben Berechnungen der Geschäftsreise-Management-Plattform Travelperk, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegen.
Als Grundlage dienten die Buchungsdaten der eigenen Kunden. Travelperk verwaltet jedes Jahr rund 50.000 Geschäftsreisen nach Paris, bei denen Hin- und Rückreise mit Flug oder Bahn gebucht wurden. 2023 war Paris laut den Daten die viertbeliebteste Zielstadt weltweit für Nutzer der Plattform. Das Unternehmen beschäftigt rund 1400 Mitarbeiter und erwartet dieses Jahr einen Umsatz von 200 Millionen Dollar. Den Zahlen zufolge erhebt die Deutsche Bahn trotz ihrer durchwachsenen Leistungsbilanz einen kräftigeren Olympia-Aufschlag als andere Verkehrsträger. Die Flugpreise auf globaler Ebene mit Ziel Paris seien in diesem Zeitraum nur um 75 Prozent gestiegen, errechnete Travelperk. Von Deutschland aus gingen sie laut der Geschäftsreise-Plattform sogar lediglich um zwei Prozent nach oben.
Dabei hätten die Fluggesellschaften deutlich mehr Grund gehabt, die Preise stärker nach oben zu schrauben, als die Deutsche Bahn. Die Anzahl der Flugbuchungen nach Paris ging laut Travelperk für den Zeitraum des Sportevents um 168 Prozent nach oben, bei den Zugbuchungen gab es dagegen nur ein Plus von 56 Prozent. Eine Anfrage des Handelsblatts zu den Gründen für die deutlichen Preiserhöhungen ließ die Deutsche Bahn bisher unbeantwortet. Für die 17 Tage dauernde Sportveranstaltung erwartet Frankreichs Hauptstadt 15 Millionen Gäste, während Paris üblicherweise gerade einmal 40 Millionen Besucher im Jahr zählt. Für die Austragungsdauer der Olympischen Spiele notierte Travelperk im eigenen Buchungsgeschäft ein Plus von 91 Prozent.
Angesichts des Ansturms hatten Hoteliers der Metropole zunächst auf massiv verteuerte Zimmerpreise gesetzt. Appartements, die normalerweise rund 900 Euro pro Wochenende kosten, wurden laut Europäischem Verbraucherzentrum (EVZ) mitunter für 3000 Euro angeboten. Doch für viele der 1600 innerstädtischen Unterkünfte ging offenbar die Rechnung nicht auf. Noch immer sind zehn Prozent der Pariser Hotels nicht vollständig belegt, wie Zahlen von Booking.com zeigen. Viele Unterkünfte werben inzwischen mit reduzierten Preisen. Die meisten von ihnen sind wieder für rund 200 Euro die Nacht zu haben.
Hinzu kommt, dass im Juni die Gästezahlen um ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr einbrachen, wie die Unternehmensberatung MKG Consulting ermittelte. In den ersten drei Wochen des Julis notierte die Pariser Tourismuszentrale zudem einen Rückgang bei Fluggast-Ankünften von 15 Prozent. Max Luscher, Chef des Hotelanbieters B&B, berichtet: „Bauarbeiten und Straßensperrungen im Zentrum haben offenbar viele Reisende abgeschreckt, im Vorfeld von Olympia in die Stadt zu kommen.“ Die Budgetkette lässt in Frankreich mehr als 300 Häuser betreiben. Auch für den ersten Monat nach Olympia erwartet Luscher in Paris ein eher flaues Geschäft.
Die Nachfrage nach Paris-Aufenthalten während des Sportevents dürften zudem durch die Ticketpreise gedämpft sein, die das Olympia-Organisationskomitee verlangt. Zwar gibt es Karten in der niedrigsten Rangklasse „D“ bereits ab 24 Euro, sie aber erlauben höchstens den Zutritt zu Qualifikationswettbewerben etwa beim Boxen, Volleyball oder Dressurreiten. Wer sich Halbfinale oder Finale in Wettbewerben wie Hochsprung, Hammerwerfen oder Basketball ansehen will, zahlt auf den A-Rängen 980 Euro. Auch die sogenannten Hospitality-Pakete, die neben den Stadionkarten oft Verpflegung und Unterkunft einschließen, kosten viel Geld. Wer ein solches Paket für die Abschlusszeremonie ordert, muss laut Verbraucherverband EVZ bis zu 6750 Euro bezahlen.
