Deutsche Bahn, Airbus und Wirtschaft: Deutschland unter Druck
Infrastrukturprobleme, Korruptionsskandale und globale Handelskonflikte belasten Deutschlands Wirtschaft und Unternehmen gleich auf mehreren Fronten.

Deutschland sieht sich mit einer Häufung ernster Herausforderungen konfrontiert: Bahnprojekte verzögern sich massiv, ein Korruptionsskandal erschüttert die Baubranche, und ein großangelegter Cyberangriff legte die Systeme der Deutschen Bahn lahm. Gleichzeitig kämpft die deutsche Industrie mit schwachem Wachstum und wachsendem internationalem Wettbewerbsdruck.
Fünf Bundesländer – Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein – haben der Deutschen Bahn ein Ultimatum gestellt. Die Sanierung der Bahnstrecke Berlin-Hamburg verzögert sich erheblich, weil laut DB das Verlegen von 740 Kilometern Kabel bei Frost und Schnee technisch nicht möglich sei. Die betroffenen Länder fordern bis zum 2. März 2026 einen konkreten Maßnahmen- und Zeitplan von DB-Chefin Evelyn Palla.
Die Bundesländer bestehen darauf, dass die DB sämtliche Mehrkosten aus der Verzögerung selbst trägt – Pendler und Kommunen sollen nicht belastet werden. DB versprach, bis zum 13. März einen realistischen Bauplan vorzulegen. Die Verzögerung könnte auch den geplanten Baubeginn der Strecke Hamburg-Hannover am 1. Mai gefährden.
Cyberangriff trifft Deutsche Bahn
Parallel zur Infrastrukturkrise wurde die Deutsche Bahn Opfer eines massiven DDoS-Angriffs (Distributed Denial of Service), der Buchungs- und Informationssysteme wie die DB Navigator App und bahn.de stark beeinträchtigte. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erklärte, solche Angriffe hätten seit Beginn des Ukraine-Kriegs deutlich zugenommen. Kundendaten seien laut DB nicht kompromittiert worden.
Ebenfalls für Schlagzeilen sorgt ein Korruptionsfall beim Bauunternehmen Goldbeck. Drei Männer, darunter ein vom Lehrling zum Projektleiter aufgestiegener Mitarbeiter, stehen in Bielefeld vor Gericht. Sie sollen über mehrere Jahre Millionen an Bestechungsgeldern kassiert haben – aufgedeckt durch interne Gerüchte und einen aufmerksamen Mitarbeiter.
Schwache Konjunktur, starker Druck
Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt. Die Bundesbank erwartet für das erste Quartal nur schwaches Wachstum; ein dynamischerer Aufschwung wird erst ab dem Frühjahr erwartet, gestützt durch fiskalpolitische Impulse. Nur ein Viertel der befragten Unternehmen bewertet die eigene Geschäftslage als gut. Seit 2019 ist die deutsche Wirtschaft lediglich um 0,2 Prozent gewachsen – gegenüber 19 Prozent weltweit.
DB Cargo steht vor einer Existenzkrise: Der Güterverkehrsarm der Bahn plant den Abbau von 6.200 Stellen – fast die Hälfte der Belegschaft – um EU-Rentabilitätsvorgaben zu erfüllen. Scheitert die Sanierung, droht die Auflösung der Sparte. Der Möbelhersteller Rolf Benz kehrte derweil nach einem gescheiterten Experiment mit chinesischen Investoren zu deutschen Eigentümern zurück und setzt wieder auf das Qualitätsmerkmal „Made in Germany
