Deutsche Autobauer bangen um Milliardengewinne in den USA
Trumps Zollpläne bedrohen Gewinne und Arbeitsplätze bei VW, BMW und Mercedes

Deutsche Automobilhersteller sehen sich aufgrund der Wiederwahl von Donald Trump als US-Präsident einem erheblichen wirtschaftlichen Risiko ausgesetzt. Der Analyst Daniel Schwarz von der Investmentbank Stifel Europe erklärt, dass sich durch zukünftige Importzölle von bis zu 12,5 Prozent auf europäische Fahrzeuge die Gewinne von Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz empfindlich schmälern könnten. Deutsche Hersteller exportieren jährlich rund 926.000 Fahrzeuge in die USA, darunter Luxuslimousinen und SUVs. Durch die Einführung höherer Importzölle droht ein Gewinnrückgang zwischen elf und 15 Prozent, was insgesamt eine Belastung von etwa 4,5 Milliarden Euro im Jahr 2025 bedeuten könnte. Diese Kosten könnten teilweise durch höhere Endpreise auf Kunden umgelegt werden.
Trump hat wiederholt damit gedroht, deutsche Fahrzeuge mit höheren Zöllen zu belasten, und für Fahrzeuge aus Mexiko könnten diese sogar bis zu 200 Prozent betragen. Audi und Porsche, die stark von Exporten aus Mexiko und Deutschland abhängig sind, wären davon besonders betroffen. Laut Goldman Sachs könnten die Zölle zwischen 7,5 und 17,5 Prozent steigen. Die Unsicherheit über die konkrete Umsetzung der Zollpolitik stellt für die deutschen Autobauer ein erhebliches Risiko dar. Die aktuelle Marktstimmung bleibt angespannt, und die Automobilindustrie leidet weiterhin unter den Folgen der Coronapandemie, sinkenden Gewinnen und einem rückläufigen Cashflow.
Neben diesen protektionistischen Maßnahmen belasten die Hersteller weitere Herausforderungen. Das Verkaufsvolumen in den wichtigen Märkten China und USA sinkt, während in Europa verschärfte CO2-Vorgaben ab 2025 zusätzlichen Kostendruck erzeugen. Die Gewinnmargen der deutschen Autobauer sind seit dem Rekordjahr 2022 stark gesunken. Auch wenn die großen Unternehmen über eine Nettoliquidität von 103 Milliarden Euro verfügen, schmilzt dieser Risikopuffer kontinuierlich. Alle drei Hersteller mussten allein in den ersten drei Quartalen 2024 erhebliche Einbußen verzeichnen.
Besonders VW steht vor zahlreichen strukturellen Herausforderungen, darunter die notwendige Restrukturierung und Sanierung des Konzerns. Auch Audi und Porsche stehen aufgrund ihrer Produktionsstätten in Mexiko und Deutschland vor erheblichen Risiken, sollten höhere Zölle eingeführt werden. BMW hingegen zeigt sich aufgrund seiner starken Produktionspräsenz in den USA vergleichsweise optimistisch und investiert weiterhin in sein Werk in South Carolina. Dennoch kämpft das Unternehmen mit Problemen, darunter Rückrufaktionen und ein Einbruch der Verkaufszahlen in China.
Mercedes-Benz verzeichnete zuletzt einen Rückgang des durchschnittlichen Verkaufspreises und halbierte Gewinne. Der Wandel hin zu einem elektrischen Luxuskonzern belastet den Konzern zunehmend. Die geplante Erweiterung des Werks in Alabama deutet darauf hin, dass Mercedes sich gegen mögliche Zölle absichern möchte, dennoch könnten wichtige Modelle wie die S-Klasse unter zukünftigen Zollbarrieren leiden.
