ANZEIGE

Deutsche Anleger auf Renditejagd

Rekordinvestitionen in Termingeld und Anleihen, während Aktienverkäufe einen Wendepunkt markieren

3 Min
Deutsche Anleger auf Renditejagd

Eine aktuelle Studie zeigt, dass deutsche private Anleger in diesem Jahr verstärkt auf Termineinlagen setzen wie noch nie zuvor. Laut einer Prognose von Barkow Consulting und dem Onlinebroker XTB, basierend auf Daten von Bundesbank, EZB und Destatis, haben die Deutschen beeindruckende 182 Milliarden Euro in Termineinlagen angelegt. Dies entspricht einem Rekordwert und stellt den höchsten Betrag seit 25 Jahren dar. Lediglich während der Finanzkrise im Jahr 2008 wurde eine ähnlich hohe Summe von 75 Milliarden Euro erreicht, allerdings bei deutlich höheren Zinsen.

Die steigende Nachfrage nach Termingeldern ist auch bei der Finanzdatenberatung FMH-Finanzberatung spürbar. Anleger sichern sich die derzeit höheren Zinssätze für längere Laufzeiten, wobei sie über ein bis zwei Jahre bis zu 4,3 Prozent Rendite pro Jahr erzielen können. Allerdings zeigt die Tendenz bereits sinkender Zinsen bei längeren Laufzeiten, dass ein Zinsplateau erreicht ist.

Auch Anleihen sind in diesem Jahr mit fast 20 Milliarden Euro neuem Kapital stark gefragt. Seit Anfang 2022, als die EZB begann, die Leitzinsen anzuheben, haben private Anleger laut der Studie rund 260 Milliarden Euro in Termingelder und Anleihen investiert. Dies entspricht mehr als der Hälfte ihres neu angelegten Kapitals.

Nach mehr als einem Jahrzehnt mit Mittelabflüssen aus Anleihen und Festgeldern sowie niedrigen und teils negativen Zinsen sind die Anleger nun so stark auf Renditejagd wie nie zuvor. Jens Chrzanowski, Deutschlandchef von XTB, sieht darin einen klaren Trend. Der Anteil von Einlagen in Bank- und Sparkonten am Geldvermögen der Deutschen ist um 2,3 Prozentpunkte auf 42,1 Prozent gestiegen, während Termingelder bisher sechs Prozent des Vermögens ausmachen.

In den letzten 25 Jahren hat sich der Wohlstand der Deutschen deutlich erhöht, und das Geldvermögen hat sich von nominal drei Billionen Euro im Jahr 1999 mehr als verdoppelt. Der Anteil von Wertpapieren am Vermögen hat ebenfalls zugenommen und beträgt nun 27 Prozent. Dennoch haben deutsche Anleger in diesem Jahr erstmals seit neun Jahren unter dem Strich Aktien im Wert von rund sechs Milliarden Euro verkauft.

Dieses Verhalten ist insbesondere im Spätsommer aufgefallen, als die Aktienmärkte schwach performten. Die XTB-Experten vermuten, dass dies der Hauptgrund für den Verkauf von Aktien ist, da kaum ein anderes europäisches Land im dritten Quartal so viele Aktien verkaufte wie Deutschland.

Investmentfonds, insbesondere börsengehandelte ETFs, blieben hingegen gefragt, während aus aktiv verwalteten Fonds Geld abfloss. Im Jahr 2023 wurden laut der Studie 42 Milliarden Euro in Fondsanteile investiert, was im 25-Jahres-Rückblick als überdurchschnittlich angesehen wird.

Die Begeisterung für Fonds erreicht jedoch nicht das Niveau der Jahrtausendwende, als der Anteil von Wertpapieren am Geldvermögen bei gut einem Drittel lag. Der Absturz der Aktien vieler Internetunternehmen und die Finanzkrise im Jahr 2008 erschütterten das Anlegervertrauen, was zu einem Rückgang der Wertpapierquote auf knapp 23 Prozent führte. Derzeit machen Aktien und Fonds je gut zwölf Prozent des Geldvermögens der Privatanleger aus, Anleihen lediglich 2,5 Prozent.

Der Anteil von Versicherungen am Geldvermögen ist leicht gesunken, vor allem aufgrund des Rückgangs von Lebensversicherungen auf ein Rekordtief von 14,8 Prozent des Vermögens. Der Anteil betrieblicher Vorsorge hält sich seit einigen Jahren bei rund 15 Prozent.

Die Geldanlagequote gemessen am Einkommen liegt laut der Untersuchung auf dem Vor-Corona-Niveau bei knapp zwölf Prozent. Während der Pandemie stieg sie aufgrund begrenzter Ausgabemöglichkeiten auf 18,5 Prozent an.

FinanzenGeldpolitikInvestitionen

Meistgelesene News

  1. Chevron und Halliburton: Öldeal mit Venezuela treibt Aktienkurse an
  2. Tesla am Scheideweg: Rekordumsatz trifft auf milliardenschwere KI-Ambitionen
  3. Teslas 25-Milliarden-Wette: Vom Autobauer zum KI-Roboter-Konzern
  4. Tesla-Robotaxi-Strategie und BYD-Expansion prägen das globale EV-Duell
  5. Führungswechsel bei Volksbank Brawo und L3Harris erschüttern Märkte

Disclaimer