Denkmalgeschütztes Herrenhaus in Wiltshire: Rettung mit Leidenschaft
Sozialhistorikerin Tamsin Wimhurst und ihr Mann, ARM-Mitgründer Mike Muller, retten ein baufälliges Herrenhaus in Wiltshire.

Tamsin Wimhurst hat eine ungewöhnliche Leidenschaft: Sie rettet Häuser. Die Sozialhistorikerin und ihr Ehemann Mike Muller, Mitbegründer des Technologieunternehmens ARM, erwarben vor fünf Jahren ein baufälliges, denkmalgeschütztes Herrenhaus in Wiltshire – ein weiteres Kapitel in einer langen Geschichte der Denkmalpflege und Restaurierung. Das Anwesen, im 17. Jahrhundert aus lokalem Cotswold-Stein errichtet und als Grade II* gelistet, war in einem desolaten Zustand. Doch genau das machte es für Wimhurst interessant.
Der Ursprung dieser Leidenschaft liegt im Jahr 2009. Damals besuchte Wimhurst das Haus der 94-jährigen Elsie Palmer in Cambridge. „Ich hatte ein normales Reihenhaus erwartet", erinnert sie sich. „Aber im Inneren waren alle Wände und Decken mit wunderschönen Mustern versehen, die wie Tapeten von William Morris aussahen, aber tatsächlich handbemalt waren." Die Kunstfertigkeit im Stil der Arts-and-Crafts-Bewegung stammte von Palmers Großvater, dem Dekorationskünstler David Parr. Wimhurst kaufte das Haus, gründete eine gemeinnützige Stiftung und öffnete es 2019 für die Öffentlichkeit.
Seither war sie an einer Reihe weiterer Erhaltungsprojekte beteiligt – von Häusern von Outsider-Art-Künstlern bis hin zu einem Theater in einer Zehntscheune. Gemeinsam mit Muller restaurierte das Paar mehrere eigene Häuser, darunter ein viktorianisches Haus in Cambridge und ein Anwesen in Norfolk.
Die Details
Das Herrenhaus in Wiltshire stellte das Paar vor besondere Herausforderungen. Das Haupthaus und ein separates Bauernhaus waren im 19. Jahrhundert miteinander verbunden worden; eine Restaurierung in den 1920er-Jahren hatte Arts-and-Crafts-Elemente eingeführt. „Von außen hatte der Ort in seinem leicht vernachlässigten Zustand etwas ungemein Romantisches", sagt Wimhurst. Im Inneren war die Lage ernüchternder: Architekt Richard Parr, der mit der Renovierung beauftragt wurde, beschreibt es als „dunkel, verfallen, mit avocado-grünen Badezimmern und der Nachbildung einer elisabethanischen Treppe, die völlig deplatziert wirkte."
Parr, der sein Studio Richard Parr Associates Mitte der 1990er-Jahre gründete, beschreibt sein Team als „moderne Traditionalisten". Zu ihren Projekten zählen das Somerset-Hotel The Newt, Neubauten von Sussex bis Chamonix sowie Renovierungen historischer Herrenhäuser. In Wiltshire umfasste sein Ansatz mühsame Rekonstruktionsarbeit – beim Erneuerung des Dachs wurden die ursprünglichen moosigen Ziegel behutsam beibehalten –, jedoch „ohne ein Sklave der Nostalgie zu sein". Das Ergebnis ist „sehr sanft, bis hin zur Entfernung aller harten Linien des Putzes", so Parr, der auf das Lehm-Finish hinweist, das sich um die Ecken wölbt.
Das Herzstück des Entwurfs ist eine zeitgemäße Neugestaltung der Verbindung der beiden ursprünglichen Gebäude. Ein „Labyrinth aus Korridoren" wurde durch ein riesiges Panoramafenster und eine schwungvolle, skulpturale zentrale Treppe ersetzt. „Es könnte einfach nur ein Flur sein, durch den man hindurchgeht, aber wir haben einen Ort zum Verweilen geschaffen", sagt Wimhurst. Ein Tisch im Erdgeschoss dient für Frühstück und Mahjong-Spiele; oben auf dem Treppenabsatz ist ein Fenstersitz so tief, dass er eher einem Bett gleicht.
Wimhursts Wunschliste für das Projekt war ambitioniert: ein Yogaraum, eine Speisekammer zum Einlegen von selbst angebautem Gemüse, ein 20-Meter-Schwimmbecken und ein Badezimmer, das zum Lesen einlädt. Der Dachboden, ursprünglich die Dienstbotenquartiere, fungiert heute als „Weihnachtsflügel" – eine Reihe von Gästezimmern, in denen im vergangenen Jahr 20 Familienmitglieder untergebracht waren.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 07.10.2026 berichtete aktien.news über ein ähnliches Thema aus dem FT-Newsletter von Roula Khalaf: die Span-Siedlungen des Architekten Eric Lyons aus der Nachkriegszeit, deren Prinzipien als Vorlage für modernen Wohnungsbau diskutiert werden. Am 06.10.2026 stand das sogenannte Cloud House im Londoner Camden im Mittelpunkt – ein extravagantes Architekturprojekt, das zeigt, wie individuell und mutig zeitgenössische Hausgestaltung sein kann. Diese Berichte verdeutlichen den anhaltenden Trend, historische und unkonventionelle Architektur neu zu denken und zu beleben – ein Thema, das auch das Wiltshire-Projekt von Wimhurst und Muller prägt.
Was das für Anleger bedeutet
Der Artikel enthält keinen direkten Börsenbezug, liefert jedoch interessante Einblicke in den Markt für denkmalgeschützte Immobilien in Großbritannien. ARM Holdings, das Technologieunternehmen, das Muller mitgründete, wurde im Jahr 2016 für 24,3 Milliarden Britische Pfund an das japanische Unternehmen SoftBank verkauft. Muller war bis 2019 Technologievorstand bei ARM. Das Paar leitet gemeinsam den Muller Wimhurst Trust, der nach eigenen Angaben „gerne Dinge finanziert, die andere für unfinanzierbar halten." Für Anleger mit Interesse an Impact Investing oder philanthropischen Strukturen bietet das Modell des Trusts einen anschaulichen Praxisfall.
Das Engagement des Paares zeigt zudem, wie Privatvermögen aus dem Technologiesektor in kulturelle Denkmalpflege fließen kann – ein Trend, der in Großbritannien zunehmend an Bedeutung gewinnt und auch für den deutschen Markt für denkmalgeschützte Immobilien relevant ist.
Ausblick
In Cirencester befinden sich zwei Projekte des Muller Wimhurst Trust in der Anfangsphase: das Rory Young House, das Haus eines verstorbenen Steinmetzes, für das laut Wimhurst noch erhebliche Mittel gesammelt werden müssen, sowie Bretforton Grange & Theatrebarn, das zu einem „Inkubationszentrum für neue Theaterproduktionen" umgestaltet werden soll. Beide Vorhaben befinden sich noch in frühen Planungsstadien. Wimhurst formuliert ihr übergeordnetes Ziel klar: „Für mich geht es bei dieser Art von Projekt darum, ein Haus für die nächsten 100 Jahre fit zu machen."
Kurz erklärt
- Grade II*: Britische Denkmalschutzklassifizierung für besonders bedeutende Gebäude, die besonderen Schutz genießen.
- Arts-and-Crafts-Bewegung: Kunstbewegung des späten 19. Jahrhunderts, die handwerkliche Qualität und traditionelle Materialien gegenüber industrieller Massenproduktion betonte.
- Impact Investing: Anlageform, bei der neben finanziellen Erträgen auch gesellschaftliche oder kulturelle Wirkung angestrebt wird.
