DAX startet freundlich: KI-Phantasie stützt trotz Iran-Konflikts
Der deutsche Leitindex legt zur Eröffnung zu, während am Persischen Golf die Lage angespannt bleibt.

Der DAX wird zum Handelsstart am Mittwoch mit einem Plus erwartet. Die erste Indikation deutet auf einen Anstieg von 0,6 Prozent auf 25.546 Punkte hin. Am Dienstag hatte der deutsche Leitindex bereits leicht im Plus geschlossen und stand bei 25.399 Zählern, ein Zuwachs von 0,1 Prozent. Damit zeigt sich der Markt robust, obwohl die Lage am Persischen Golf weiterhin ungeklärt ist.
Anspannung am Golf bleibt hoch
Die Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA über die Straße von Hormus laufen weiter. Katar versucht, in dem festgefahrenen Konflikt eine Lösung zu vermitteln. Die Öllieferungen durch die strategisch wichtige Meerenge sollen zunehmen, doch es gibt immer wieder Berichte über den Beschuss von Schiffen. Für Anleger bedeutet das ein Umfeld, in dem geopolitische Nachrichten kurzfristig für starke Ausschläge sorgen können.
Timo Emden, Chefmarktanalyst bei CapTrader, bringt die Stimmung auf den Punkt: "Am deutschen Aktienmarkt dominiert aktuell das Prinzip Hoffnung." Die Anspannung dürfte nach Einschätzung von Emden hoch bleiben. Hintergrund sind rekordträchtige Anleiherenditen und hohe Ölpreise, die den Markt belasten.
In Deutschland richtet sich der Blick auf die Inflationszahlen für September, die das Statistische Bundesamt vorlegt. Die Teuerung könnte über die Drei-Prozent-Marke steigen. Der Anstieg wird auf den Iran-Krieg und die hohen Energiepreise zurückgeführt. Für Privatanleger ist das relevant, weil eine höhere Inflation den Spielraum der Notenbanken für Zinssenkungen einschränkt.
US-Tech bleibt Wachstumstreiber
An der Wall Street drückte die Zinsfurcht auf die Kurse. Der Dow-Jones-Index schloss bei 51.349 Punkten und damit 0,3 Prozent tiefer. Der S&P 500 verlor 0,2 Prozent auf 7.670 Zähler, der Nasdaq gab 0,1 Prozent auf 26.797 Punkte nach. Belastet hatten zuvor die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen, die zeitweise auf 5,293 Prozent stiegen — der höchste Stand seit Juni 2007.
Die US-Konjunkturdaten zeichnen ein gemischtes Bild. Im August gab es rund 7,08 Millionen offene Stellen, während das Verbrauchervertrauen im September auf den tiefsten Stand seit über zwölf Jahren fiel. Trotz dieser Signale bleibt die US-Tech-Branche auf Wachstumskurs. Der KI-Investitionszyklus gibt weiter Rückenwind.
Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank, ordnet ein: "Damit hat sich der Sektor als widerstandsfähig gegenüber steigenden Energiepreisen und höheren Kapitalmarktzinsen erwiesen." US-Tech-Aktien legten in Euro gerechnet binnen vier Wochen um sechs Prozent zu. Die Gewinnerwartungen für 2028 wurden innerhalb eines Monats um zehn Prozent angehoben und liegen damit 83 Prozent über dem Niveau von 2026.
Anthropic plant Börsengang
Für zusätzliche Phantasie sorgt der geplante Börsengang von Anthropic. Das Unternehmen strebt eine Bewertung von über zwei Billionen US-Dollar an und würde damit SpaceX übertreffen, dessen Börsengang als der größte der Geschichte gilt. Solche Bewertungen zeigen, wie viel Kapital in KI-Unternehmen fließt — bergen für Anleger aber auch Risiken, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden.
Politisch bleibt die KI-Regulierung umstritten. US-Präsident Donald Trump spricht sich gegen internationale Regulierung aus und will bei diesem Thema nicht mit Xi Jinping zusammenarbeiten, da dies US-Unternehmen erschweren würde. Stattdessen wurde eine Vereinbarung mit der US-Tech-Branche unterzeichnet, wonach Unternehmen sich selbst kontrollieren sollen. Prüfer kontrollieren die Verfahren und berichten den Vorständen. Trump bezeichnet das Dokument als moralisch bindend und verfassungskonform.
Die US-Regierung erwägt zudem ein KI-Aufsichtsgremium mit etwa zehn Personen. Meta-Chef Mark Zuckerberg verweist auf "robuster interner Kontrollen". Zugleich mehren sich KI-Sicherheitsvorfälle und Warnungen der KI-Bosse, und die Rufe nach internationaler Regulierung werden lauter. OpenAI strich die Veröffentlichung eines KI-Modells wegen Sicherheitsbedenken.
Für Anleger bleibt die Gemengelage zweigeteilt: Auf der einen Seite treibt der KI-Investitionszyklus die Phantasie an, auf der anderen Seite stehen geopolitische Risiken, hohe Anleiherenditen und eine steigende Inflation. Wer in diesem Umfeld investiert, sollte auf eine breite Streuung achten und kurzfristige Schwankungen einkalkulieren.
