DAX rutscht weiter ab – geopolitische Spannungen belasten Märkte
Der tägliche Marktbericht von Aktien.news

Der DAX hat am Donnerstag 1,1 Prozent auf 23.057 Punkte verloren und damit seinen Rückgang gegenüber dem Rekordhoch von 24.479 Punkten vor zwei Wochen fortgesetzt. Händler verwiesen auf die anhaltende Unsicherheit wegen der Entwicklungen im Nahen Osten. Der Handel fand aufgrund des Feiertags „Juneteenth“ in den USA ohne Impulse von der Wall Street statt.
Mit dem Rückfall unter die charttechnischen Marken von 23.300 bis 23.400 Punkten gelten die Aussichten für den deutschen Leitindex als eingetrübt. Der Schlusskurs nahe dem Tagestief wird von Analysten als negatives Signal für den nächsten Handelstag gewertet.
Die Preise für Rohöl legten weiter zu. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich am Abend um 2,5 Prozent auf 78,64 Dollar je Barrel. Beobachter sehen im Nahostkonflikt ein Risiko für die Ölversorgung, insbesondere bei einer möglichen Blockade der Straße von Hormus, über die rund 20 Prozent des global gehandelten Rohöls transportiert werden. Der Iran zählt zu den größten Förderländern innerhalb der OPEC.
Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg prüfen die Vereinigten Staaten derzeit Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen Israel und dem Iran. Marktteilnehmer befürchten eine mögliche Ausweitung des Konflikts und damit verbundene Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.
Die US-Notenbank Federal Reserve beließ ihren Leitzins wie erwartet unverändert. Ex-Präsident Donald Trump kritisierte den Fed-Vorsitzenden Jerome Powell in sozialen Medien scharf. Die Schweizerische Nationalbank senkte ihren Leitzins auf null Prozent und begründete dies mit Deflationsrisiken. Die norwegische Zentralbank reduzierte ihren Leitzins auf 4,25 Prozent. Die Zentralbanken in der Türkei und Großbritannien nahmen keine Änderungen vor.
Der Dollar legte zu und gilt unter Anlegern in der aktuellen Lage als sicherer Hafen. Der Euro fiel leicht auf 1,1467 Dollar. Gold gab um 0,2 Prozent auf 3.368 Dollar pro Feinunze nach, obwohl das Edelmetall oft als Krisenwährung gilt.
Zalando war mit einem Rückgang von 4,4 Prozent der schwächste DAX-Wert. Die Aktie liegt seit Jahresbeginn rund 17 Prozent im Minus. MTU erzielte hingegen mit 376,00 Euro ein neues Rekordhoch, gestützt durch eine Kaufempfehlung der Deutschen Bank.
Auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget erhielt Airbus zusammen mit Partnern Bestellungen und Vorverträge über 250 Flugzeuge. Boeing meldete bis Donnerstag keine neuen Abschlüsse.
Mehrere deutsche Technologiekonzerne treten mit eigenen Vorschlägen für eine europäische KI-Gigafabrik bei der EU an, da keine gemeinsame Bewerbung zustande kam. Das berichtete der Fachdienst „Tagesspiegel Background Digitalisierung & KI“.
Im SDAX stieg die Aktie der Deutschen Euroshop um 9,0 Prozent, nachdem eine höhere Dividende angekündigt wurde. Medios plant den Rückkauf von bis zu einer Million eigener Aktien. Die Aktie legte um 7,3 Prozent zu.
Die EU-Kommission genehmigte der Bank Unicredit die Übernahme der Banco BPM unter der Auflage, 209 Standorte in Italien zu veräußern. Eine endgültige Umsetzung ist laut Medienberichten wegen Widerstands aus der italienischen Regierung noch offen.
Im Verfahren um die marktbeherrschende Stellung von Google bei Android-Geräten empfiehlt die EuGH-Generalanwältin, die reduzierte Kartellstrafe in Höhe von 4,1 Milliarden Euro zu bestätigen.
Die Google-Tochter Waymo will ab Juli autonome Fahrzeuge mit Sicherheitsfahrern in New York einsetzen. Eine Genehmigung für fahrerlose Fahrten ist bisher nicht erteilt.
