ANZEIGE

Das abrupte Ende des Momentum-Booms an der Wall Street

Momentum-Strategie bricht ein – schlechteste Quartalsperformance seit 25 Jahren erwartet

2 Min
Das abrupte Ende des Momentum-Booms an der Wall Street

Der einst lukrativste Handelsansatz an der Wall Street hat seine Anziehungskraft verloren. Der sogenannte Momentum-Handel, bei dem Anleger auf steigende Aktien setzen und gleichzeitig gegen schwächelnde Titel wetten, erlebte im laufenden Jahr eine beispiellose Rallye. Doch seit Juli hat sich das Blatt dramatisch gewendet.

Besonders im KI-Sektor florierte die Momentum-Strategie. Investoren investierten massiv in Favoriten wie Nvidia, Micron Technology und Advanced Micro Devices, während sie gleichzeitig Positionen gegen Unternehmen aufbauten, die unter dem KI-Boom leiden könnten. Diese Taktik erwies sich über Jahre hinweg als äußerst profitabel.

Beeindruckende Rallye mit jähem Ende

Der Erfolg war atemberaubend: Der S&P 500 Momentum Index verzeichnete im zweiten Quartal ein Rekordplus von 44 Prozent. Über die vergangenen fünf Jahre legte der Index um 133 Prozent zu und übertraf damit die Performance des breiten Marktes nahezu um das Doppelte. Sowohl große Investmentfonds als auch Privatanleger beteiligten sich an diesem Trend und setzten teilweise Hebelprodukte und Optionen ein, um die Renditen weiter zu steigern.

Matthew Tym, Managing Director bei Cantor Fitzgerald, beschrieb diese Dynamik treffend als „selbsterfüllende Prophezeiung“. Je mehr Anleger auf den Momentum-Zug aufsprangen, desto stärker wurden die Kursausschläge – bis die Bewegung abrupt endete.

Schlechteste Quartalsperformance seit 25 Jahren

Seit dem 1. Juli ist der Momentum-Index um mehr als 9 Prozent eingebrochen, während der S&P 500 im gleichen Zeitraum ein Plus von 2,8 Prozent verzeichnete. Der Index, der Aktien basierend auf einem „Momentum-Score“ bewertet, steuert damit auf die schlechteste vierteljährliche Performance seit 25 Jahren zu.

Laut Schätzungen der Bank of America war der Juli der zweitschlechteste Monat für den Momentum-Handel in den vergangenen 40 Jahren. Lediglich im April 2009, auf dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise, verlief die Entwicklung noch negativer. Der plötzliche Stimmungsumschwung hat viele Marktteilnehmer kalt erwischt.

Was bedeutet das für Anleger?

Für deutsche Privatanleger, die über ETFs oder Zertifikate in Momentum-Strategien investiert sind, ist das abrupte Ende ein warnendes Beispiel. Die Strategie, auf Trends aufzuspringen, funktioniert solange hervorragend, wie die Richtung stimmt. Sobald sich jedoch die Marktstimmung dreht, können die Verluste ebenso rasant ausfallen wie zuvor die Gewinne.

Die Entwicklung zeigt, dass selbst die profitabelsten Handelsansätze an der Wall Street keine Einbahnstraße sind. Der Momentum-Handel, der noch vor wenigen Monaten als Königsweg galt, hat seinen Glanz vorerst verloren. Anleger sollten die Risiken solcher Strategien nicht unterschätzen und auch in Zeiten scheinbar unaufhaltsamer Rallyes einen kühlen Kopf bewahren.

Momentum-HandelWall StreetS&P 500 Momentum IndexKi-AktienNvidiaMarktkorrekturAnlagestrategieBörse

Meistgelesene News

  1. Chevron und Halliburton: Öldeal mit Venezuela treibt Aktienkurse an
  2. Tesla-Robotaxi-Strategie und BYD-Expansion prägen das globale EV-Duell
  3. Tesla am Scheideweg: Rekordumsatz trifft auf milliardenschwere KI-Ambitionen
  4. Türkei verschärft Hedgefonds-Regulierung – USA vor Finanzrepression
  5. UBS nennt vier Top-Finanzaktien für europäische Anleger

Disclaimer