Continental trennt sich vom Autogeschäft
Weitere Pläne betreffen auch das Industriegeschäft und die Reifensparte bleibt im Zentrum

Der Aufsichtsrat des Autozulieferers Continental hat der Abspaltung der Autosparte zugestimmt. Diese Entscheidung markiert einen bedeutenden Schritt in der strategischen Neuausrichtung des Unternehmens. Die Sparte, die unter anderem Bremsen und Autoelektronik herstellt, soll im September 2025 an die Börse gebracht werden. Damit wird der Konzern, der zuletzt 39,7 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftete, nahezu halbiert. Bei der Muttergesellschaft verbleiben das Reifengeschäft sowie die Industriesparte ContiTech.
Die Zustimmung der Hauptversammlung im April gilt als Formsache, da Großaktionär Georg Schaeffler 46 Prozent der Anteile hält. Insider berichten, dass der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Reitzle weitergehende Pläne verfolgt. Demnach könnte auch ContiTech vollständig abgegeben werden, was Continental zu einem reinen Reifenhersteller machen würde. Offiziell äußert sich der Konzern dazu nicht und verweist lediglich auf laufendes Portfoliomanagement.
Ein Teilverkauf innerhalb von ContiTech ist bereits eingeleitet. Die Sparte „Original Equipment Solutions“, die geschätzt zwei Milliarden Euro Umsatz macht und rund 16.000 Menschen beschäftigt, wird potenziellen Käufern vorgestellt. Damit würde jedoch nur ein Teil des Industriegeschäfts abgegeben. ContiTech als Ganzes setzte 2024 rund 6,4 Milliarden Euro um und beschäftigte über 39.000 Mitarbeitende. Auch ein Spin-off der gesamten Industriesparte wird intern diskutiert.
Bereits im Dezember erhielten alle Mitarbeitenden des Konzerns die Möglichkeit, sich für einen Arbeitsplatz in der neuen Holding oder in den operativen Bereichen Reifen, Auto und Industrie zu entscheiden. Aufgaben wie Investor Relations oder Rechnungslegung sollen künftig in der Holding konzentriert werden.
Derzeit liegt der Fokus öffentlich auf dem Börsengang der Autosparte. Diese verzeichnete zuletzt lediglich eine operative Marge von 2,3 Prozent, bereinigt um Sondereffekte und Abschreibungen sogar nur 1,2 Prozent. Dennoch betont Finanzvorstand Olaf Schick, dass sich die operative Lage verbessert habe. Die neue Gesellschaft werde schuldenfrei an den Start gehen, Pensionslasten bleiben bei der Autosparte, während bestehende Kredite bei Continental verbleiben.
Olaf Schick, der seit Juli 2024 als CFO bei Continental tätig ist, sieht trotz schwieriger Marktbedingungen eine stabile finanzielle Ausgangslage für beide Unternehmensteile. Zum 1. Oktober 2025 wechselt er in den Vorstand von Mercedes-Benz und übernimmt dort Verantwortung für Governance und Nachhaltigkeit.
