Continental trennt Autosparte und Industriegeschäft
Neuer Fokus auf Reifen und profitables Wachstum nach umfangreicher Umstrukturierung

Continental plant eine umfassende Neuausrichtung und spaltet seine Unternehmensbereiche deutlich auf. Noch im September soll die Autosparte, die etwa die Hälfte des Umsatzes ausmacht, abgespalten und als eigenständiges Unternehmen namens Aumovio an die Börse gebracht werden. Zudem steht der Verkauf von Teilen des Industriegeschäfts bevor: Bereits 2025 soll der Bereich Original Equipment Solutions (OESL) an einen Private-Equity-Investor veräußert werden. Dieser Bereich umfasst vor allem Gummiprodukte für Automobilhersteller und beschäftigt mehr als 16.000 Mitarbeiter in 16 Ländern.
Der verbleibende Teil der Industriesparte ContiTech soll voraussichtlich im Jahr 2026 verkauft werden. Nach Abschluss dieser Verkäufe wird Continental als reines Reifenunternehmen agieren. Das Unternehmen strebt an, den Erlös aus dem Verkauf zur Schuldentilgung einzusetzen und plant mögliche Sonderdividenden sowie Aktienrückkäufe für seine Aktionäre. Continental-Chef Nikolai Setzer betonte, dass der Konzern künftig seinen Fokus auf Wertschöpfung, Profitabilität und eine stabile Geschäftsentwicklung legen werde.
Der Ausblick auf das laufende Jahr wurde jedoch nach unten korrigiert. Continental rechnet nun mit einer Gewinnmarge von zehn bis elf Prozent und senkte die Prognose damit um einen halben Prozentpunkt. Die Berechnung berücksichtigt die aktuell gültigen Zölle und Wechselkurse. Mittelfristig erwartet das Unternehmen nach der Abspaltung der Automotive-Sparte ein Umsatzpotenzial von 19,5 bis 22 Milliarden Euro bei einer bereinigten Gewinnmarge von 12 bis 14,5 Prozent. Dabei entfallen 14,5 bis 16 Milliarden Euro Umsatz auf das Reifengeschäft mit einer Gewinnmarge von 13 bis 16 Prozent, während ContiTech ohne OESL auf etwa 11 bis 13 Prozent kommt.
Das neue, eigenständige Unternehmen Aumovio wird mit einem Startkapital von 1,5 Milliarden Euro sowie einer zusätzlichen Kreditlinie von 2,5 Milliarden Euro ausgestattet. Finanzchef Olaf Schick bezeichnete die Bilanz von Aumovio zum Börsengang als die beste unter den Autozulieferern. Das Unternehmen will langfristig ein profitables Wachstum realisieren und strebt eine Steigerung des Umsatzes auf über 24 Milliarden Euro an. Zudem soll die bereinigte Ebit-Marge auf 6,0 bis 8,0 Prozent steigen. Aumovio fokussiert sich auf Sensorlösungen, Displays, Bremssysteme, Software sowie Assistenzsysteme für vernetzte und autonome Mobilität und beschäftigt 2024 rund 93.000 Mitarbeiter in mehr als 50 Ländern.
Trotz der ambitionierten Pläne bleibt angesichts der globalen Herausforderungen wie Zollstreitigkeiten, Preiskämpfen und schwächelnden Automärkten unklar, ob die Ziele realistisch sind. Continental reagiert mit der Umstrukturierung auf die raschen Veränderungen und die Notwendigkeit, flexibel auf die Marktbedingungen zu reagieren.
