Commerzbank verteidigt Unabhängigkeit gegen Unicredit-Pläne
Italiens Großbank stockt Anteile auf und plant mögliche Übernahme

Die Commerzbank verzeichnete im dritten Quartal des Jahres einen Gewinn von 642 Millionen Euro, was einem Rückgang von über sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht, jedoch die Erwartungen der Analysten übertraf. Die Ergebnisse der ersten neun Monate zeigen dennoch eine positive Tendenz mit einem Gesamtgewinn von 1,9 Milliarden Euro – eine Steigerung von über fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Frankfurter Institut ist daher weiterhin auf dem Weg zu einem möglichen Rekordgewinn von rund 2,4 Milliarden Euro für das Jahr 2024. Bettina Orlopp, die seit Anfang Oktober die Konzernführung übernommen hat, äußerte sich optimistisch und hob die positive Entwicklung des Kundengeschäfts und insbesondere den Anstieg des Provisionsüberschusses hervor.
Die Unicredit, Italiens zweitgrößte Bank, strebt eine Beteiligung an der Commerzbank an und hält mittlerweile Zugriff auf bis zu 21 Prozent der Anteile. Unicredit plant eine mögliche Erhöhung auf bis zu 29,9 Prozent und hofft auf eine umfassende Übernahme des deutschen Geldhauses. Dabei betont der Unicredit-Chef Andrea Orcel, dass eine eventuelle Entscheidung erst nach sorgfältiger Abwägung der Interessen der Stakeholder getroffen werde und eine Fusion insbesondere dem Mittelstand zugutekommen könnte. Orcel betonte jedoch, dass eine unmittelbare Übernahme der Commerzbank nicht zu erwarten sei, da die Gespräche erst am Anfang stehen.
Die Commerzbank legt hingegen Wert auf ihre Unabhängigkeit und betont, dass keine konkreten Fusionsgespräche stattfinden. Vorstandschefin Orlopp verwies auf die bestehende Strategie bis 2027, welche das Potenzial habe, den Aktienkurs weiter zu steigern. Die Bank verfolgt weiterhin den eingeschlagenen Kurs und betrachtet ein Übernahmeangebot als gegenwärtig nicht erforderlich. Ein weiteres Investorengespräch mit der Unicredit ist jedoch geplant.
Möglich wurde der Einstieg der Unicredit durch den Verkauf eines Aktienpakets durch die deutsche Bundesregierung. Nachdem die Unicredit etwa 4,5 Prozent der Anteile aus Bundesbesitz erworben hatte, setzte die Regierung weitere Verkäufe vorerst aus. In Berlin wird die Selbstständigkeit der Commerzbank bevorzugt, da andernfalls Arbeitsplatzabbau und ein Bedeutungsverlust drohen könnten. Ein Verkauf der verbleibenden Anteile des Bundes wird derzeit abgewogen, um möglicherweise Zugeständnisse wie Standortgarantien zu erreichen.
Unicredit versucht, Sorgen um mögliche negative Folgen einer Fusion zu zerstreuen. In einer Präsentation zu den Quartalsergebnissen betonte die Bank, dass schwierige Entscheidungen in enger Abstimmung mit Arbeitnehmervertretungen getroffen würden. Zudem trifft die deutsche Unicredit-Tochter HypoVereinsbank alle entscheidenden Beschlüsse für den hiesigen Markt und agiert damit weitgehend eigenständig.
