Commerzbank und Unicredit im intensiven Austausch
Gespräche über Quartalszahlen, Strategien und mögliche zukünftige Entwicklungen

Die Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat sich erneut intensiv mit dem Management der italienischen Großbank Unicredit ausgetauscht. In einer Videokonferenz am Mittwoch besprachen beide Seiten ausführlich die Zahlen der Commerzbank für das dritte Quartal. Laut Insidern handelte es sich um ein klassisches Investorentreffen, wie es zwischen Bankmanagements und Aktionären üblich ist. Über eine mögliche Übernahme der Commerzbank durch Unicredit wurde bei diesem Treffen nicht gesprochen.
Unicredit hatte bereits im September bekannt gegeben, neun Prozent der Commerzbank-Aktien erworben zu haben und durch Finanzgeschäfte Zugriff auf insgesamt 21 Prozent der Aktien zu besitzen. Dieser überraschende Einstieg der italienischen Bank sorgte damals für Diskussionen. Unicredit-Chef Andrea Orcel hatte mehrfach deutlich gemacht, dass er die Commerzbank vollständig übernehmen möchte. Orlopp betonte jedoch, dass bisher kein Übernahmeangebot vorliegt. Sie verfolgt weiterhin die Strategie, die Commerzbank als eigenständiges Institut zu führen. Sollte Unicredit ein Angebot machen, werde sie dieses im Vergleich zur aktuellen Strategie ergebnisoffen prüfen und dabei die Interessen aller Beteiligten berücksichtigen.
Auch bei der Vorstellung der Quartalszahlen am 6. November kam es zu einem Schlagabtausch zwischen den beiden Banken. Orlopp äußerte ihre Bedenken, dass ein Zusammenschluss nachteilig für deutsche Unternehmen sein könnte. Sie kritisierte den Einstieg von Unicredit als unangemessen und sprach sich für eine offenere Kommunikation aus. Unicredit wiederum wies die Bedenken zurück und hob hervor, dass ihre deutsche Tochter, die Hypo-Vereinsbank (HVB), seit 2021 stärker gewachsen sei als die Commerzbank.
Ein weiteres Treffen zwischen den Parteien ist bereits geplant. Orlopp und Marion Höllinger, die Chefin der HVB, werden am Montag bei der Branchenkonferenz „Euro Finance Week“ in Frankfurt gemeinsam auftreten. Dabei könnte es erneut zu einem Austausch zwischen den Spitzen beider Banken kommen. Unicredit hatte zuvor signalisiert, weiterhin an einem engeren Dialog mit der Commerzbank interessiert zu sein.
Während Orlopp an ihrer Strategie als unabhängiges Institut festhält, bleibt die Zukunft der Beziehungen zwischen den beiden Banken offen. Die Annäherung erfolgt bislang in kleinen Schritten, ohne dass konkrete Übernahmegespräche aufgenommen wurden.
