Commerzbank und UniCredit treffen erstmals zusammen
Übernahmepläne, Profitabilitätsziele und Widerstand gegen feindliche Übernahme

Vertreter der Commerzbank und der italienischen Großbank UniCredit werden am Freitag zu einem ersten Gespräch zusammentreffen. Die designierte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp betonte in einer Telefonkonferenz die Bereitschaft, mögliche Angebote zu bewerten, aber auch eine klare Haltung: „Wir werden keine dummen Dinge tun.“ Hintergrund sind die überraschenden Entwicklungen der letzten Wochen rund um die Beteiligung der UniCredit an der Commerzbank. Diese hatten in Deutschland für erhebliche Diskussionen gesorgt. Orlopp kündigte zudem an, dass die Commerzbank ihre Erträge steigern und ihre Profitabilität erhöhen wolle. Man plane, die Eigenkapitalrendite bis 2027 auf über zwölf Prozent zu steigern und die Kapitalrückgabe an die Aktionäre deutlich zu erhöhen. Ziel sei es, in den Jahren 2025 bis 2027 Ausschüttungsquoten von mehr als 90 Prozent zu erreichen. Das Nettoergebnis soll bis 2027 auf über drei Milliarden Euro steigen, während es 2023 bei 2,2 Milliarden Euro lag.
Die Entwicklungen rund um die Commerzbank und UniCredit beeinflussen auch den Aktienmarkt. Die Aktie der Commerzbank stieg um bis zu 6,1 Prozent und erreichte mit 16,20 Euro den höchsten Stand seit 2012. Auf Jahressicht konnte die Aktie einen Kurszuwachs von etwa 59 Prozent verzeichnen, womit sie zu den Gewinnern im DAX gehört. Seit dem 11. September, dem Tag, an dem UniCredit ihren Anteil von neun Prozent an der Commerzbank verkündete, legte die Aktie um rund 29 Prozent zu.
Die UniCredit, geführt von Andrea Orcel, hat über Markttransaktionen und Finanzinstrumente ihren Anteil an der Commerzbank auf 21 Prozent erhöht. Nun hat sie die behördliche Genehmigung beantragt, ihren Anteil auf bis zu 29,9 Prozent zu erhöhen. Der Bund, der noch zwölf Prozent der Commerzbank hält, hat vor einer feindlichen Übernahme gewarnt. Auch die Gewerkschaft ver.di sowie der Betriebsrat der Commerzbank lehnen ein Zusammengehen mit der UniCredit strikt ab. Union Investment, ein Fondsanbieter der Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland, fordert von der Commerzbank jedoch Dialogbereitschaft und sieht eine mögliche Zusammenarbeit mit der UniCredit nicht zwangsläufig negativ. Rund 1,5 Prozent der Commerzbank-Anteile werden von Union Investment gehalten.
Ökonomen hingegen kritisieren das politische Engagement der Bundesregierung im Zusammenhang mit einer möglichen Übernahme der Commerzbank durch UniCredit. Stefan Kooths vom Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel) bemängelte das mangelnde Verständnis für die Kapitalmarktunion und den Binnenmarkt in der EU.
Die Commerzbank selbst arbeitet an einer Strategie, um sich gegen eine mögliche Übernahme zu wehren. Laut Presseberichten wurden bereits Goldman Sachs und die Schweizer Großbank UBS beauftragt, Vorschläge zur Abwehr zu erarbeiten. Orlopp muss die Aktionäre von der Eigenständigkeit des Unternehmens überzeugen und dafür eine aggressivere Strategie verfolgen. Erste Vorschläge werden bereits im Oktober erwartet.
