Commerzbank startet Aktienrückkaufprogramm im Übernahmekampf
Rückkauf von 600 Millionen Euro soll Kurs stärken und Übernahme erschweren

Die Commerzbank hat beschlossen, eigene Aktien im Umfang von 600 Millionen Euro zurückzukaufen. Dieser Schritt erfolgt mitten im Übernahmekampf mit der italienischen Großbank Unicredit. Sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die Finanzagentur des Bundes haben dem Aktienrückkauf zugestimmt, wie die Bank am Montag mitteilte. Die Rückkäufe sollen nach Veröffentlichung der Quartalsergebnisse am Mittwoch beginnen und spätestens Mitte Februar 2025 abgeschlossen sein. Dieses Rückkaufprogramm ist das dritte seit 2023 und wurde von der Commerzbank bereits vor dem Einstieg von Unicredit angekündigt. Die Bank möchte trotz der Übernahmeambitionen aus Mailand an ihren geplanten Ausschüttungen festhalten.
Die Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Bettina Orlopp, versicherte den Aktionären, dass sie sich auf das Institut verlassen könnten. Die Bank plane, mindestens 70 Prozent des Gewinns für das Geschäftsjahr 2024 auszuschütten, jedoch nicht mehr als das Konzernergebnis nach Abzug von Zinszahlungen auf eigenkapitalähnliche Anleihen. Um diese Ausschüttungsziele zu erreichen, beabsichtigt die Bank, basierend auf den Ergebnissen des dritten Quartals ein weiteres Aktienrückkaufprogramm zu beantragen. Zudem ist eine Dividendenausschüttung für die Aktionäre vorgesehen.
Unicredit, die im September mit einem Anteil von neun Prozent bei der Commerzbank eingestiegen ist, hat durch Finanzinstrumente Zugriff auf weitere 21 Prozent der Anteile. Sollte Unicredit im Rahmen der Aktienrückkäufe keine Anteile veräußern, wird sich ihr Anteil an der Commerzbank weiter erhöhen. Auch der Anteil des deutschen Staates, der derzeit bei zwölf Prozent liegt, könnte steigen, da der Bund nicht plant, weitere Anteile zu verkaufen oder an den Rückkäufen teilzunehmen.
Am Mittwoch wird neben der Commerzbank auch Unicredit ihre Quartalszahlen präsentieren. Während Unicredit-Chef Andrea Orcel eine Fusion der beiden Banken anstrebt, zeigt sich das Management der Commerzbank skeptisch gegenüber einer Übernahme. Ein steigender Aktienkurs der Commerzbank könnte laut Insidern und Analysten die Übernahme für Unicredit erschweren, da diese dadurch teurer würde. Zudem könnte ein höherer Kurs die Attraktivität eines Übernahmeangebots für Commerzbank-Aktionäre verringern, sollten sie von einer positiven Geschäftsentwicklung der Bank überzeugt sein.
Aktienrückkäufe und Dividendenzahlungen sind zentrale Maßnahmen der Commerzbank, um ihren Aktienkurs zu stützen. Für die Jahre 2025 bis 2027 plant die Bank, jeweils über 90 Prozent ihres Gewinns an die Aktionäre auszuschütten. Analysten prognostizieren jedoch einen Rückgang des Quartalsgewinns der Bank um 23 Prozent auf 529 Millionen Euro. Der Zinsüberschuss könnte aufgrund gesunkener EZB-Einlagezinsen um sieben Prozent auf zwei Milliarden Euro gefallen sein. Zusätzlich wird eine Verdopplung der Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite auf 216 Millionen Euro erwartet.
