Commerzbank setzt auf neue Strategie
Wachstumspläne und Stellenabbau sollen Übernahme durch Unicredit abwenden

Die Commerzbank hat eine überarbeitete Strategie vorgestellt, mit der sie sich gegen eine mögliche Übernahme durch die italienische Unicredit zur Wehr setzen will. Ziel ist es, den Aktionären zu demonstrieren, dass das Institut aus eigener Kraft profitabler werden kann und eine Fusion nicht notwendig ist. Die Pläne der Commerzbank stoßen jedoch auf Skepsis, da die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Banken schwieriger werden könnten.
Das Management der Commerzbank sieht die neue Strategie als entscheidenden Hebel, um den Aktienkurs nachhaltig zu steigern. Dies sei notwendig, um die Aktionäre davon abzuhalten, ein mögliches Übernahmeangebot der Unicredit anzunehmen. Die Italiener halten bereits knapp zehn Prozent der Commerzbank-Aktien und haben über Derivate Zugriff auf weitere 18 Prozent. Ein offizielles Angebot gilt daher als wahrscheinlich. Die Übernahme würde für die Commerzbank-Aktionäre voraussichtlich mit einem Aufschlag auf den aktuellen Kurs verbunden sein. Sollte der Kurs jedoch durch die neue Strategie auch ohne Fusion steigen, würde dieser Anreiz sinken.
Kernpunkte der neuen Strategie sind ambitionierte Ziele für die kommenden Jahre. Bis 2028 will die Commerzbank ihre Eigenkapitalrendite auf 15 Prozent steigern, nachdem sie 2024 bei 9,2 Prozent lag. Zudem plant das Institut, den Gewinn von derzeit 2,7 Milliarden Euro auf 4,2 Milliarden Euro zu erhöhen. Gleichzeitig sollen die Kosten gesenkt werden, sodass nur noch 50 Cent aufgewendet werden müssen, um einen Euro zu erwirtschaften. Derzeit sind es 59 Cent.
Um diese Ziele zu erreichen, setzt die Commerzbank auf Wachstum in verschiedenen Geschäftsbereichen. In der Vermögensverwaltung plant das Institut Zukäufe und will wohlhabende Kunden stärker betreuen. Zusätzlich soll das bisher kostenlose Girokonto für Privatkunden künftig fünf Euro pro Monat kosten. Auch im Firmenkundengeschäft will die Bank expandieren und sich wieder stärker im Ausland engagieren. Zudem plant die Commerzbank, bis zu 4000 Stellen ins Ausland zu verlagern, insbesondere nach Osteuropa, um die Kosten zu senken.
Experten bewerten die Pläne als anspruchsvoll. Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen zuletzt wieder gesenkt, was den Zinsüberschuss der Banken verringert. Zudem könnten wirtschaftliche Probleme in Deutschland dazu führen, dass mehr Kredite ausfallen. Einige Aktionäre könnten daher ein Übernahmeangebot der Unicredit als sicherere Option betrachten.
Der Bund hält weiterhin zwölf Prozent der Commerzbank-Aktien und könnte eine vollständige Übernahme blockieren. Eine Mehrheit von 50 bis 88 Prozent würde Unicredit jedoch die Kontrolle ermöglichen. Beobachter rechnen deshalb damit, dass der Druck auf die Commerzbank und ihr Management weiter hoch bleibt.
