Cohere übernimmt Aleph Alpha und expandiert nach Europa
Das kanadische KI-Labor Cohere plant die Übernahme des deutschen KI-Unternehmens Aleph Alpha – inklusive einer 600-Millionen-Dollar-Investition der Schwarz Gruppe.

Das kanadische KI-Unternehmen Cohere hat am Freitag angekündigt, das deutsche KI-Unternehmen Aleph Alpha übernehmen zu wollen. Mit diesem Schritt verfolgt Cohere eine umfassende Expansionsstrategie in Europa. Die finanziellen Konditionen der Transaktion wurden nicht öffentlich gemacht.
Eng mit dem Deal verknüpft ist eine bedeutende Investitionszusage: Die Schwarz Gruppe – bekannt als Mutterkonzern von Lidl und Kaufland und bereits ein wichtiger Geldgeber von Aleph Alpha – plant, 600 Millionen US-Dollar in die bevorstehende Series-E-Finanzierungsrunde von Cohere zu investieren. Laut einer mit den Plänen vertrauten Quelle, die gegenüber CNBC sprach, soll diese Finanzierungsrunde im Laufe des Jahres 2026 abgeschlossen werden. Das Geschäft steht noch unter dem Vorbehalt der Erfüllung regulatorischer Bedingungen und ist damit noch nicht final besiegelt.
Cohere mit starker Investorenbasis und Milliardenbewertung
Cohere wurde 2019 gegründet und hat bislang insgesamt 1,6 Milliarden US-Dollar von namhaften Investoren eingesammelt, darunter Technologieriesen wie Nvidia und AMD. Im Jahr 2025 wurde das Unternehmen mit 7 Milliarden US-Dollar bewertet. Mit der geplanten Übernahme von Aleph Alpha und der frischen Kapitalspritze durch die Schwarz Gruppe positioniert sich Cohere als ernstzunehmender Akteur im europäischen KI-Markt.
Aleph Alpha wurde ebenfalls 2019 gegründet – zunächst mit dem Ziel, große Sprachmodelle (Large Language Models, kurz LLMs) zu entwickeln. Im Laufe der Zeit spezialisierte sich das Heidelberger Unternehmen zunehmend auf die Entwicklung praxisnaher KI-Anwendungen. Laut der Marktforschungsplattform Dealroom hat Aleph Alpha mehr als 600 Millionen US-Dollar an Investoren- und Fördermitteln eingeworben.
Zugang zum deutschen öffentlichen Sektor als strategischer Vorteil
Ein zentrales Motiv für die Übernahme ist das etablierte Netzwerk von Aleph Alpha im deutschen öffentlichen Sektor. Das Unternehmen arbeitet unter anderem mit dem Bundesministerium für Digitales und staatliche Modernisierung sowie der Landesregierung von Baden-Württemberg zusammen. Diese bestehenden kommerziellen Verträge seien laut Cohere ein wesentlicher Anziehungspunkt gewesen.
Durch die Transaktion will Cohere sein Angebot an sicherer und maßgeschneiderter KI für stark regulierte Branchen ausbauen. Zu den Zielsektoren zählen der öffentliche Sektor, das Finanzwesen, die Verteidigung, Energie, Fertigung, Telekommunikation und das Gesundheitswesen. Die Erfahrung von Aleph Alpha bei der Implementierung von KI in langjährigen Kundenbeziehungen bilde dabei eine wichtige Grundlage für dieses sogenannte souveräne KI-Angebot, so Cohere.
Die geplante Übernahme steht exemplarisch für einen wachsenden Trend: Nordamerikanische KI-Unternehmen suchen verstärkt den Zugang zum europäischen Markt – insbesondere zu Kunden in regulierten Sektoren, die hohe Anforderungen an Datensouveränität und Compliance stellen. Für den deutschen KI-Standort bedeutet der Deal eine internationale Aufwertung, wirft aber auch Fragen zur langfristigen Eigenständigkeit europäischer KI-Entwicklung auf.
