Citigroup: Klage wegen sexueller Belästigung gegen Top-Manager Andy Sieg
Ex-Führungskraft wirft Vermögensverwaltungschef unangemessenes Verhalten vor. Bank weist Vorwürfe entschieden zurück.

Eine ehemalige Führungskraft der Citigroup hat die US-Großbank wegen sexueller Belästigung verklagt. Julia Carreon, die bis 2024 in der Vermögensverwaltungssparte tätig war, reichte die Klage am Montag beim Bundesgericht in Manhattan ein. Im Zentrum der Vorwürfe steht Andy Sieg, der Leiter des Vermögensgeschäfts von Citi.
Carreon wirft Sieg vor, ihr gegenüber öffentlich sexuell aufgeladenes Verhalten gezeigt zu haben. Zudem habe er es versäumt, Gerüchte über eine angeblich unangemessene Beziehung zwischen ihnen zu dementieren. Die Klägerin beschuldigt die Bank, eine jahrzehntelange Kultur der sexuellen Belästigung gefördert zu haben, die sie auf die Wahrnehmung als Sexobjekt reduziert habe.
Besonders brisant: Die Vorwürfe richten sich gegen eine Bank, deren Vorstandsvorsitzende Jane Fraser zu den wenigen weiblichen CEOs in der Finanzwelt zählt. Carreon behauptet zudem, die Personalabteilung sei nach ihren Beschwerden "gegen sie instrumentalisiert" worden.
Citigroup weist Vorwürfe zurück
Die Bank reagierte umgehend und entschieden auf die Anschuldigungen. Ein Citi-Sprecher erklärte, die Klage "habe keinerlei Grundlage, und wir werden dies im Rahmen des Gerichtsverfahrens beweisen." Die Citigroup legte am Dienstag ein Gerichtsdokument vor, in dem sie Carreon vorwirft, eine "falsche Theorie" erfunden zu haben.
Laut Bank versuche die ehemalige Mitarbeiterin damit, eine Schiedsvereinbarung zu umgehen. Diese sei für arbeitsrechtliche Ansprüche vorgesehen, wobei ein Gesetz die Schlichtung von Ansprüchen wegen sexueller Belästigung verbiete. In dem Gerichtsdokument aus Texas, wo Carreon nach Angaben der Bank lebt, zitierte Citigroup Lobesbotschaften, die Carreon an Sieg gesendet haben soll – auch noch nach ihrem freiwilligen Ausscheiden aus der Bank.
Bedeutung für die Finanzbranche
Der Fall wirft erneut ein Schlaglicht auf die Unternehmenskultur in der Finanzindustrie. Trotz verstärkter Bemühungen um Diversität und Gleichstellung sehen sich große Banken immer wieder mit Vorwürfen unangemessenen Verhaltens konfrontiert. Die Citigroup betont ihre Null-Toleranz-Politik gegenüber Belästigung und Diskriminierung.
Das Gerichtsverfahren dürfte genau beobachtet werden, da es Fragen zur Durchsetzung von Compliance-Richtlinien und zum Umgang mit Beschwerden in großen Finanzinstituten aufwirft. Für beide Seiten steht viel auf dem Spiel – sowohl in rechtlicher als auch in reputationsbezogener Hinsicht.
