Citi warnt vor volatilerem Bullenmarkt durch KI-Disruption
US-Aktienmarkt bleibt bullish, doch steigende Volatilität bei Einzelaktien zeigt Anlegersorgen um Geschäftsmodelle.

Die US-Investmentbank Citi sieht den amerikanischen Aktienmarkt weiterhin in einer Aufwärtsphase, warnt jedoch vor zunehmenden Schwankungen. Der Grund: Anleger beschäftigen sich intensiv mit den langfristigen Risiken der Künstlichen Intelligenz, die etablierte Geschäftsmodelle grundlegend verändern könnte. Die Strategen der Bank sprechen von einem "volatileren Bullenmarkt" – ein Muster, das sich aktuell unter der scheinbar ruhigen Oberfläche des S&P 500 abspielt.
Der Leitindex bewegt sich seit Wochen in einer Handelsspanne zwischen 6.800 und 7.000 Punkten. Doch während der Index selbst relativ stabil erscheint, verzeichnen einzelne Aktien und Sektoren teils heftige Kursschwankungen. Die Volatilitätsmaße für Einzeltitel steigen deutlich schneller als die Indikatoren auf Indexebene – ein ungewöhnliches Phänomen, das auf selektive Umschichtungen hindeutet.
Laut Citi verlagert sich der Fokus der Investoren weg von der kurzfristigen Gewinnentwicklung hin zu längerfristigen Bewertungsrisiken. Die Sorge gilt nicht einem unmittelbaren Gewinneinbruch – die Unternehmensgewinne bleiben solide. Vielmehr herrscht Unsicherheit darüber, wie nachhaltig Margen und Wachstum in einem KI-gesteuerten, wettbewerbsintensiveren Umfeld sein werden. Die Bank spricht von Bedenken hinsichtlich der "terminalen Multiplikatoren" – also Zweifeln an der langfristigen Bewertungsgrundlage.
Margen unter Druck durch KI-Wettbewerb
Das zentrale Risiko sieht Citi in der Frage, ob KI-gestützte Produktivitätsgewinne letztlich zu intensiverem Preiswettbewerb führen oder hohe Vorabinvestitionen erfordern. In beiden Szenarien könnten Unternehmen Schwierigkeiten haben, ihre Gewinnmargen über die Zeit auszuweiten oder zu halten. Dies würde die Rechtfertigung für höhere Bewertungsniveaus über Marktzyklen hinweg schwächen.
Besonders interessant: Die Korrelationen zwischen einzelnen Aktien befinden sich nahe einem Zwei-Dekaden-Tief. Das bedeutet, dass sich die Kurse verschiedener Titel zunehmend unabhängig voneinander entwickeln. Rollierende Sektorkorrekturen gleichen sich gegenseitig aus, wodurch der Hauptindex trotz schwacher Stimmung in Teilen des Marktes stabil bleibt.
Selektive Rotation statt breiter Risikoabbau
Die Reaktion der Anleger fällt laut Citi punktuell aus. Besonders unter Beobachtung stehen Sektoren wie Software, Versicherungen, Finanzdienstleistungen und Transportwesen. Investoren diskutieren intensiv, welche Geschäftsmodelle dem KI-bedingten Wettbewerbsdruck am stärksten ausgesetzt sind. Das aktuelle Umfeld spiegele eher eine fallweise Neupositionierung wider als eine pauschale Risikoreduzierung.
Für eine nachhaltige Fortsetzung des Aufwärtstrends benötigen Anleger nach Einschätzung der Bank entweder deutlichere Anzeichen für eine sanfte wirtschaftliche Landung mit niedrigerer Inflation und sinkenden Zinsen – oder überzeugende Beweise der Unternehmen, dass ihre Wettbewerbsvorteile trotz KI-Disruption intakt bleiben. Bis dahin dürfte die erhöhte aktienspezifische Volatilität anhalten, selbst wenn der Index oberflächlich stabil erscheint.
