Citi erwartet stärkeren Yen durch sinkende Auslandsinvestitionen
Citi prognostiziert einen stärkeren japanischen Yen bis 2027, getrieben durch reduzierte Auslandsinvestitionen japanischer institutioneller Anleger.

Die US-Investmentbank Citi rechnet damit, dass sich der japanische Yen bis Ende 2027 gegenüber dem US-Dollar stärken wird. Als zentralen Treiber nennt die Bank einen Rückgang der Auslandsinvestitionen japanischer Institutionen. Damit rückt eine Entwicklung in den Fokus, die für Anleger weltweit bedeutsam ist, denn Japan zählt zu den größten Kapitalexporteuren der Welt.
Nach Einschätzung von Citi verfügt Japan über die drittgrößten Nettoauslandsguthaben weltweit – nur Deutschland und China liegen noch davor. Das Volumen der japanischen Auslandsinvestitionen übersteigt laut der Bank die Marke von ¥1.900 Billionen. Diese gewaltige Kapitalsumme macht die Anlageentscheidungen japanischer Investoren zu einem wichtigen Faktor für die Entwicklung des Yen.
Rückführung von Auslandsvermögen bereits 2022
Bereits im Jahr 2022 hatten japanische Anleger die größte Rückführung von Auslandsvermögen aller Zeiten vorgenommen. Seitdem haben sich die Bestände an ausstehenden ausländischen Vermögenswerten allmählich wieder erholt. Diese Bewegung zeigt, wie schnell institutionelle Kapitalströme die Währungsdynamik beeinflussen können.
In jüngerer Zeit trieben vor allem Privatanleger das Wachstum bei Auslandsinvestitionen über NISA-Konten voran. Bei NISA handelt es sich um ein steuerbegünstigtes Anlagekonto, das japanischen Bürgern bestimmte Investitionen mit Steuervorteilen ermöglicht. Allerdings hat diese Aktivität in letzter Zeit wieder abgenommen, wie Citi feststellt.
Parallel dazu reduzieren institutionelle Anleger, darunter Pensionsfonds, ihre Auslandsinvestitionen. Zusätzlicher Druck auf diese Entwicklung dürfte von den steigenden Zinssätzen in Japan ausgehen. Höhere heimische Zinsen machen Anlagen im eigenen Land attraktiver und dürften langfristig orientierte Investoren wie Versicherungsgesellschaften dazu veranlassen, ihre Auslandsinvestitionen weiter zu kürzen.
Prognose für das USD/JPY-Paar
Citi erwartet, dass dieser Wandel die Angebots- und Nachfragedynamik verbessern und den Abwärtsdruck auf den Yen im Laufe der Zeit verringern wird. Für das Währungspaar USD/JPY projizieren die Analysten, dass es langfristig in einem Bereich zwischen ¥160 und ¥165 eine Obergrenze finden wird.
Kurzfristig erwartet die Bank, dass das Paar bis Ende dieses Jahres auf etwa ¥155 sinken wird. Bis Ende des nächsten Jahres soll es dann auf ungefähr ¥145 fallen. Ein sinkender USD/JPY-Kurs bedeutet, dass der Yen gegenüber dem Dollar an Wert gewinnt.
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung relevant, weil Japans Kapitalströme traditionell zu den großen globalen Finanzbewegungen zählen. Verschieben japanische Institutionen ihr Kapital zurück in heimische Anlagen, kann dies die Nachfrage nach ausländischen Vermögenswerten – auch in Europa – beeinflussen und die globale Zinslandschaft indirekt berühren. Die Citi-Prognose deutet darauf hin, dass sich diese Bewegung über mehrere Jahre entfalten könnte.
Ob sich die Erwartungen bewahrheiten, hängt maßgeblich davon ab, wie sich die Zinspolitik in Japan einerseits und die weitere Investitionsbereitschaft japanischer Pensionsfonds und Versicherer andererseits entwickeln. Der von Citi beschriebene Mechanismus ist dabei klar: Weniger Kapitalabfluss ins Ausland stützt den Yen – und damit die heimische Währung Japans.
