Chinesische Airlines drängen nach Europa
Europäische Fluggesellschaften kämpfen mit Umwegen und steigenden Kosten im Asienverkehr

Chinesische Fluggesellschaften drängen verstärkt auf den europäischen Markt, während europäische Airlines mit erheblichen Herausforderungen im Asienverkehr konfrontiert sind. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs müssen europäische Fluggesellschaften, darunter Lufthansa, British Airways und Air France, den russischen Luftraum umfliegen, was zu längeren Flugzeiten und höheren Kosten führt. Im Gegensatz dazu können chinesische Airlines weiterhin die kürzere Route über Russland nutzen, was ihnen einen klaren Vorteil verschafft. Dies ermöglicht es den chinesischen Anbietern, ihr Angebot zwischen europäischen und asiatischen Städten signifikant zu erweitern.
Daten des britischen Luftfahrtdienstleisters Cirium zeigen, dass chinesische Airlines ihr Sitzplatzangebot im August 2024 im Vergleich zu 2019 um mehr als 30 Prozent erhöht haben, während europäische Anbieter ihre Kapazitäten auf diesen Strecken um fast 40 Prozent reduziert haben. Diese Entwicklung führt zu einem Preisverfall auf den betroffenen Strecken, was für die Passagiere erfreulich ist, für die europäischen Airlines jedoch finanzielle Einbußen bedeutet. Infolgedessen haben einige europäische Fluggesellschaften bereits ihre Verbindungen nach Asien reduziert oder ganz eingestellt. So hat British Airways angekündigt, die Strecke von London nach Peking ab Oktober vorübergehend auszusetzen, während Virgin Atlantic die Verbindung nach Shanghai streicht.
Für die Lufthansa stellt der Asienverkehr eine bedeutende Einnahmequelle dar. Im Jahr 2019 entfielen fast 19 Prozent der Passagierumsätze auf Asien. Doch die aktuellen Entwicklungen setzen die Airline stark unter Druck. Die Umgehung des russischen Luftraums erfordert zusätzliche Flugzeuge und Personal, was die Betriebskosten erheblich erhöht. Lufthansa sieht sich gezwungen, politische Unterstützung in Deutschland und Europa zu suchen, um der wachsenden Konkurrenz aus China begegnen zu können. Die chinesischen Fluggesellschaften, angeführt von Air China, China Eastern und China Southern, bauen ihre Präsenz in Europa weiter aus und haben große Expansionspläne.
Auch das deutsche Verkehrsministerium ist sich des wachsenden Drucks bewusst und hat den Expansionsdrang der chinesischen Airlines etwas gebremst, indem es die Anzahl der zusätzlichen Flüge von China nach Deutschland begrenzt hat. Dennoch ist absehbar, dass der Wettbewerb weiterhin intensiv bleibt. Gleichzeitig müssen europäische Airlines ab 2025 höhere Kosten durch die Beimischung von teurem synthetischem Kerosin tragen, während außereuropäische Airlines von dieser Regelung nicht betroffen sind. Lufthansa plant, diese Mehrkosten durch eine neue Umweltgebühr an ihre Kunden weiterzugeben, was jedoch zu einer weiteren Schwächung ihrer Wettbewerbsfähigkeit führen könnte.
