Chinas Techwerte starten kraftvoll durch
Wirtschaftliche Stabilität, politische Signale und neue Technologien wecken Anlegerinteresse

Der rasante Aufstieg chinesischer Technologieunternehmen zeigt sich derzeit eindrucksvoll an den Aktienmärkten. Nach einer längeren Schwächephase haben die Kurse kräftig angezogen. Der Nasdaq Golden Dragon China Index, der führende Branchenbarometer für chinesische Techwerte, legte seit April rund 45 Prozent auf 8700 Punkte zu. Damit holen die Titel spürbar auf, auch wenn das Niveau von Anfang 2021 mit 20.000 Punkten noch weit entfernt ist. Anleger sehen darin eine Gelegenheit, verspätet einzusteigen, da die Aufholjagd im internationalen Vergleich noch Spielraum bietet.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in China haben sich stabilisiert. Trotz eines stagnierenden Immobilienmarkts wuchs die Volkswirtschaft 2024 um fünf Prozent, ein ähnliches Plus wird auch in diesem Jahr erwartet. Die Gewinne der Industrie lagen im August 20,4 Prozent über dem Vorjahreswert. Unternehmen könnten dadurch Überkapazitäten abbauen, was die Margen verbessert. Gleichzeitig bemüht sich die Regierung um ein besseres Verhältnis zur Privatwirtschaft. Im Februar traf sich Staatschef Xi Jinping demonstrativ mit führenden Techunternehmern, darunter Alibaba-Gründer Jack Ma, der nach Jahren politischer Zurückhaltung wieder öffentlich auftrat.
An den Börsen spielt Hongkong eine zunehmend wichtige Rolle. Viele chinesische Firmen nutzen den Standort, um Kapital aufzunehmen, da ausländische Anleger oft keinen direkten Zugang zu den Festlandbörsen haben. Der Batteriehersteller CATL sammelte dort im Mai rund 3,9 Milliarden Euro ein, der größte Börsengang weltweit seit 2023. Hongkong wird so zur Drehscheibe für internationale Investoren, die von den Entwicklungen profitieren möchten, ohne regulatorische Hürden der USA in Kauf zu nehmen.
Fünf Einzelwerte stehen dabei besonders im Fokus. Alibaba plant hohe Investitionen in Künstliche Intelligenz und verfügt über große Finanzreserven. Das Unternehmen sieht sich als zentraler Akteur im technologischen Wettbewerb mit den USA und arbeitet unter anderem mit Nvidia zusammen. Baidu, die dominierende Suchmaschine Chinas, treibt die Transformation ihres Geschäftsmodells mit KI-Anwendungen voran und verzeichnet hohe Mittelzuflüsse. CATL hat sich zum größten Batteriehersteller der Welt entwickelt und arbeitet an einer neuen Natriumionenbatterie, die günstiger und sicherer sein soll.
JD.com bleibt trotz wachsender Umsätze an der Börse unterbewertet, investiert aber weiter in Logistik, Lebensmittellieferungen und stationären Handel. Trip.com profitiert von steigendem Reiseaufkommen im In- und Ausland und weist stabile Gewinnmargen auf. Analysten erwarten weiteres Wachstum, während die Bewertung im Vergleich niedrig erscheint. Zusammengenommen ergibt sich ein Marktumfeld, in dem technologische Dynamik, wirtschaftliche Stabilität und politische Signale das Interesse internationaler Anleger an chinesischen Aktien neu entfachen.
