Chinas KI-Boom trifft auf US-Handelskonflikt
Peking setzt auf Binnenmarkt und Technologieförderung, um wirtschaftliche Verluste durch amerikanische Strafzölle auszugleichen

Wer derzeit in Peking ankommt, erkennt sofort, wie intensiv sich die Künstliche Intelligenz (KI) in China durchsetzt. Der Flughafen der chinesischen Hauptstadt ist von Werbung für KI-Unternehmen geprägt, die ihre Sprachmodelle und andere KI-Produkte präsentieren. Darunter sind bekannte Unternehmen wie Baidu und Huawei, aber auch eine Vielzahl kleinerer Start-ups, die im Westen kaum bekannt sind. Die optimistische Stimmung in der chinesischen Tech-Branche hat sich seit Ende Januar deutlich verbessert, nachdem das junge Unternehmen DeepSeek mit einem KI-Sprachmodell überraschte, das mit führenden US-Modellen konkurrieren kann. Seit diesem Erfolg erleben chinesische Technologiefirmen einen erheblichen Kursanstieg an den Börsen.
Diese Entwicklung stärkt auch die allgemeine wirtschaftliche Stimmung in China, obwohl strukturelle Herausforderungen wie geringe Binnennachfrage, der demografische Wandel und ein krisenhafter Immobilienmarkt weiter bestehen bleiben. Trotzdem bringen die jüngsten Erfolge in der Technologiebranche zumindest teilweise Vertrauen und Zuversicht zurück, was die chinesische Regierung strategisch nutzen möchte. So sollen im Rahmen des Nationalen Volkskongresses politische Maßnahmen beschlossen werden, um diesen noch fragilen wirtschaftlichen Aufschwung nachhaltig zu stützen.
Diese Strategie gewinnt aktuell besondere Bedeutung, weil die chinesische Wirtschaft mit einem zunehmenden Konflikt mit den USA konfrontiert ist. US-Präsident Donald Trump hat seit Februar neue Zölle auf chinesische Importe eingeführt, zunächst in Höhe von zehn Prozent, dann kürzlich sogar verdoppelt auf 20 Prozent. China reagierte bislang zurückhaltend und möchte offensichtlich eine Eskalation vermeiden. Stattdessen konzentriert sich Peking zunächst darauf, interne Maßnahmen zur Ankurbelung des Binnenkonsums umzusetzen. Ein starker Binnenmarkt soll Verluste im Exportbereich kompensieren und gleichzeitig die Verhandlungsposition Chinas gegenüber den USA verbessern.
Im Regierungsbericht des chinesischen Ministerpräsidenten Li Qiang, der zu Beginn des Volkskongresses vorgestellt wurde, ist ein Wachstumsziel von etwa fünf Prozent für das laufende Jahr definiert worden. Zur Umsetzung plant Peking, beträchtliche finanzielle Mittel bereitzustellen. So steigt das staatliche Haushaltsdefizit auf vier Prozent der Wirtschaftsleistung, den höchsten Wert seit den 1990er Jahren. Dazu gehören Sonderanleihen im Umfang von 1,3 Billionen Yuan (etwa 168 Milliarden Euro) sowie zusätzliche Anleihen lokaler Regierungen im Umfang von 4,4 Billionen Yuan. Weiterhin sind Rekapitalisierungen staatlicher Banken geplant.
Li kündigte zudem eine gezielte Förderung innovativer Branchen an. Insbesondere will die Regierung die Anwendung großangelegter KI-Modelle sowie Zukunftstechnologien wie Biomanufacturing, Quantentechnologie und 6G stärker unterstützen. Deutsche Unternehmen in China begrüßen diese Maßnahmen ausdrücklich, da sie sich davon insbesondere eine nachhaltige Stärkung der zuletzt schwächelnden chinesischen Binnennachfrage erhoffen.
