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Chinas Industrie kehrt im Juni knapp ins Wachstum zurück

Eine Reuters-Umfrage erwartet einen PMI-Anstieg auf 50,1 – trotz schwacher Inlandsnachfrage und wachsender Abhängigkeit von KI-Exporten.

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Chinas Industrie kehrt im Juni knapp ins Wachstum zurück

Chinas Industrietätigkeit ist im Juni voraussichtlich wieder auf Wachstumskurs zurückgekehrt – allerdings nur mit einem hauchdünnen Vorsprung. Eine Reuters-Umfrage unter 23 Ökonomen prognostiziert, dass der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) von 50,0 im Mai auf 50,1 steigen wird. Die entscheidende Marke von 50 Punkten trennt dabei Wachstum von Schrumpfung.

Die Spannbreite der Prognosen ist bemerkenswert: Die Economist Intelligence Unit gab mit 50,4 die optimistischste Einschätzung ab, während Moody's Analytics mit 49,7 sogar eine leichte Kontraktion erwartet. Die offiziellen Daten werden am Dienstag veröffentlicht.

KI-Boom stützt Chinas Exportwirtschaft

Ein wesentlicher Treiber der chinesischen Industrieaktivität ist der globale Boom bei Künstlicher Intelligenz. Der sprunghafte Anstieg weltweiter KI-Investitionen hat dem weltgrößten Hersteller geholfen, einen möglichen Exportrückgang abzufedern. Die jüngsten Handelszahlen belegen dies eindrücklich: Die Lieferungen von Geräten zur automatischen Datenverarbeitung stiegen wertmäßig um mehr als 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: Exporte traditioneller Güter wie Möbel legten lediglich um 1,9 Prozent zu.

Xu Tianchen, leitender Ökonom bei der Economist Intelligence Unit, erklärt einen Teil des Wachstums mit Vorzieheffekten: „Wir haben im Juni Vorzieheffekte im Handel beobachtet. Exporteure haben ihre Lieferungen aufgrund der Unsicherheit in der US-Handelspolitik beschleunigt." Als entscheidenden Zeitpunkt nennt er Ende Juli, wenn neue US-Zölle gemäß Section 301 in Kraft treten sollen.

Es mehren sich jedoch Anzeichen, dass die Lagerhaltung nachlässt. Da die Preise steigen und ausländische Käufer beginnen, ihre Bestände abzubauen, dürfte der Rückenwind aus dem Exportgeschäft mittelfristig nachlassen.

Schwache Binnennachfrage bleibt das Kernproblem

Während die Exportwirtschaft noch Halt findet, kämpft China an der Heimatfront mit strukturellen Schwächen. Die Einzelhandelsumsätze für Mai fielen zum ersten Mal seit über drei Jahren – ein deutliches Signal für den schleppenden Binnenkonsum. Gleichzeitig beschleunigt sich der Preisverfall bei neuen Eigenheimen, was die anhaltende Immobilienkrise widerspiegelt und die Ausgaben in der 20-Billionen-Dollar-Volkswirtschaft belastet.

Separate Daten zu den Industriegewinnen, die am Samstag veröffentlicht wurden, zeichnen ein zweigeteiltes Bild: Vorgelagerte Sektoren und Unternehmen der Computerindustrie verzeichneten deutliche Zuwächse, während nachgelagerte Hersteller weiterhin unter Druck stehen.

Chinas Zentralbank hat unterdessen einige Geschäftsbanken angewiesen, ihre Kreditvergabe im laufenden Monat zu erhöhen. Dieser Schritt gilt als weiteres Zeichen dafür, dass die Kreditnachfrage schwach bleibt und die Wirtschaft zusätzliche Impulse benötigt.

Wachstum zunehmend von Chips und Halbleitern abhängig

Starke Exporte hatten der chinesischen Wirtschaft im ersten Quartal geholfen, die Wachstumsprognosen zu übertreffen. Doch jüngste Daten deuten darauf hin, dass dieses Wachstum zunehmend von Chips und Halbleitern getragen wird – ein Fundament, das anfällig für geopolitische Spannungen und handelspolitische Eingriffe ist.

Neben dem offiziellen PMI wird auch der RatingDog-Umfrageindex zur Industrietätigkeit im Privatsektor mit Spannung erwartet. Dieser soll voraussichtlich von 51,8 auf 51,6 leicht fallen. Die entsprechenden Daten werden am Mittwoch veröffentlicht. Für Anleger und Beobachter der chinesischen Wirtschaft bleibt die Frage zentral, ob das Land seinen Wachstumskurs ohne eine Erholung der Binnennachfrage nachhaltig halten kann.

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