Chinas Halbleitersektor: YMTC setzt auf Autarkie, Hua Hong überzeugt
YMTC will bis zu 70 Prozent der Anlagen in seinem vierten Werk in Wuhan von chinesischen Zulieferern beziehen.

Der chinesische Halbleitersektor steht unter dem Druck verschärfter US-Exportkontrollen. Zwei der wichtigsten Akteure des Landes – Yangtze Memory Technologies Co (YMTC) und Hua Hong Semiconductor – verfolgen dabei unterschiedliche, aber komplementäre Strategien, um ihre Marktposition zu sichern. Während YMTC den Aufbau einer heimischen Wertschöpfungskette forciert, überzeugt Hua Hong mit operativer Stärke in einem volatilen Marktumfeld.
YMTC, der führende chinesische Flash-Speicherhersteller, strebt für sein geplantes viertes Werk in Wuhan an, bis zu 70 Prozent der Produktionsanlagen von chinesischen Zulieferern zu beziehen. Zu diesen Lieferanten zählen die Naura Technology Group und Advanced Micro-Fabrication Equipment. Das wäre eine deutliche Steigerung gegenüber dem dritten Werk, das noch in diesem Jahr in Betrieb gehen soll und einen chinesischen Ausrüstungsanteil von gut 50 Prozent aufweist.
Hua Hong Semiconductor meldete parallel Rekordzahlen für das dritte Quartal. Der Umsatz stieg auf 987,1 Millionen US-Dollar, ein Plus von 19,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der Nettogewinn belief sich auf 123,4 Millionen US-Dollar. Selbst ohne die Konsolidierung von Huali Microelectronics lag der Umsatz mit 803,4 Millionen US-Dollar über der Prognose.
YMTC will in Wuhan NAND-Chips mit über 300 gestapelten Schichten fertigen
Das neue Werk soll sich auf hochmoderne NAND-Speicherchips mit über 300 vertikal gestapelten Schichten konzentrieren. Diese Chips gelten als essenziell für KI-Anwendungen und Rechenzentren. Mit diesem technologischen Sprung übertrifft YMTC die aktuellen Ausbaupläne der Konkurrenten Samsung und SK Hynix in China.
Langfristig plant YMTC insgesamt fünf Werke in Wuhan. Jedes dieser Werke soll eine Kapazität von rund 100.000 Wafern pro Monat erreichen. Die Strategie ist eine direkte Reaktion auf die US-Sanktionen, die den Zugang zu westlicher Technologie erschweren. Gleichzeitig konnte YMTC seinen Marktanteil in China bereits auf 38,5 Prozent ausbauen.
Hua Hong übertrifft die Markterwartungen trotz Sorgen vor neuen US-Regulierungen
Bei Hua Hong fielen die Quartalszahlen trotz Sorgen vor neuen US-Regulierungen im KI-Hardware-Sektor deutlich besser aus als erwartet. Das Management unter Vorstandschef Peng Bai zeigt sich optimistisch. Als Treiber nennt das Unternehmen die anhaltend hohe Nachfrage nach Mikrocontrollern, Flash-Speichern und Leistungshalbleitern.
Für das vierte Quartal erwartet Hua Hong einen weiteren Umsatzanstieg auf bis zu 1,09 Milliarden US-Dollar sowie eine Bruttomarge von bis zu 26 Prozent. Für 2027 stellt das Management sogar weitere Preiserhöhungen in Aussicht.
Bereits im Februar 2026 hatte Hua Hong mit starken Quartalszahlen überzeugt
Die aktuelle Entwicklung ist kein Einzelfall. Bereits am 13.02.2026 berichtete aktien.news, dass die Aktien von Hua Hong nach überzeugenden Quartalszahlen deutliche Kursgewinne verzeichneten. Damals profitierte der in Shanghai und Hongkong börsennotierte Auftragsfertiger zudem von der zunehmenden Begeisterung für Künstliche Intelligenz in China. Im vierten Quartal konnte Hua Hong seinen Umsatz im Vergleich zum Vorquartal steigern, auch der den Aktionären zuzurechnende Gewinn fiel solide aus. Die Wafer-Auslieferungen lagen im Rahmen der Erwartungen.
Am 16.03.2026 berichtete aktien.news über einen weiteren Kurssprung bei Hua Hong. Auslöser war ein Reuters-Bericht, wonach die Muttergesellschaft Hua Hong Group Fertigungstechnologien für 7-Nanometer-Chips entwickelt hat. Die in Hongkong notierten Anteilsscheine kletterten um 5,3 Prozent auf 92,65 Hongkong-Dollar, der in Shanghai gelistete Titel gewann 2,1 Prozent auf 121,65 Yuan. Laut Reuters bereitete die Tochtergesellschaft Huali Microelectronics das 7-nm-Verfahren in einem Werk in Shanghai vor.
Ebenfalls am 16.03.2026 meldete aktien.news, dass Hua Hong damit nach SMIC zum zweiten chinesischen Hersteller mit der Fähigkeit zur 7-nm-Produktion würde. Huali plante bis Ende des Jahres eine anfängliche Kapazität von einigen tausend Wafern pro Monat. Die 7-Nanometer-Technologie gilt als Schlüsseltechnologie für KI-Anwendungen.
Auf der Speicherseite berichtete aktien.news am 13.08.2026, dass YMTC im zweiten Quartal bei den weltweiten NAND-Speicherchip-Auslieferungen den dritten Platz belegte. Damit überholte das Unternehmen den US-amerikanischen Chiphersteller Micron sowie den japanischen Konkurrenten Kioxia. Die Daten stammten vom Marktforschungsunternehmen Counterpoint Research. YMTC rangiert damit weltweit hinter den südkoreanischen Branchenriesen Samsung und SK hynix.
Für deutsche Anleger bleibt die geopolitische Komponente der entscheidende Faktor
Beide Unternehmen zeigen, dass die Nachfrage nach chinesischen Halbleiterlösungen trotz geopolitischer Spannungen robust bleibt. Für deutsche Privatanleger ist dabei wichtig, die beiden Geschäftsmodelle nicht zu verwechseln: YMTC ist nicht börsennotiert, während Hua Hong sowohl in Shanghai als auch in Hongkong gelistet ist. Ein Engagement in Hua Hong ist daher indirekt auch ein Engagement in die chinesische Halbleiterpolitik und deren Abhängigkeit von US-Regulierungen.
YMTC setzt mit dem massiven Ausbau der Kapazitäten und der Substitution ausländischer Anlagen auf langfristige technologische Souveränität. Hua Hong beweist mit den Quartalszahlen, dass die operative Nachfrage kurzfristig intakt ist. Die Kombination aus beiden Signalen unterstreicht die wachsende Bedeutung Chinas als eigenständiger Akteur in der globalen Chip-Industrie.
YMTC nimmt sein drittes Werk in Wuhan noch in diesem Jahr in Betrieb
Der Zeitplan für die kommenden Monate ist im Quelltext klar umrissen. YMTCs drittes Werk in Wuhan soll noch in diesem Jahr den Betrieb aufnehmen und dabei bereits einen chinesischen Ausrüstungsanteil von gut 50 Prozent erreichen. Das vierte Werk mit einem angepeilten Anteil von bis zu 70 Prozent folgt als nächster Schritt. Langfristig sind insgesamt fünf Werke in Wuhan geplant, jedes mit einer Kapazität von rund 100.000 Wafern pro Monat.
Bei Hua Hong richtet sich der Blick auf das laufende vierte Quartal. Das Management erwartet einen Umsatz von bis zu 1,09 Milliarden US-Dollar und eine Bruttomarge von bis zu 26 Prozent. Für 2027 stellt das Unternehmen weitere Preiserhöhungen in Aussicht. Zusätzlich plant Huali Microelectronics laut dem Bericht vom 16.03.2026 bis Ende des Jahres eine anfängliche Kapazität von einigen tausend Wafern pro Monat für die 7-nm-Fertigung.
Diese drei Fachbegriffe erleichtern die Einordnung der Branchennachrichten
- NAND-Speicher: Ein nichtflüchtiger Flash-Speichertyp, der Daten auch ohne Stromversorgung behält und in SSDs sowie Rechenzentren zum Einsatz kommt.
- Auftragsfertiger: Ein Unternehmen, das Halbleiterchips nach den Entwürfen anderer Firmen produziert, englisch als Foundry bezeichnet.
- Wafer: Eine dünne Scheibe aus Halbleitermaterial, auf der zahlreiche Chips gleichzeitig gefertigt werden und die als Maß für Produktionskapazität dient.
