Chinas Autobauer drängen ins autonome Zeitalter
Tesla verliert im Technologiewettlauf gegen günstige, radarbasierte Konkurrenz

In China gewinnt der Wettbewerb um selbstfahrende Autos zunehmend an Dynamik. Tesla hat zu Wochenbeginn in China eine kostenlose Testversion seines Fahrassistenten FSD (Full Self-Driving) freigeschaltet, um chinesischen Fahrern die Möglichkeit zu geben, die autonomen Funktionen im Alltag zu erproben. In sozialen Netzwerken häufen sich seither Erfahrungsberichte von Nutzern. Gezeigt werden unter anderem Videos, in denen Fahrzeuge eigenständig Fußgänger passieren lassen oder Rollern ausweichen. Auch automatische Spurwechsel auf Autobahnen und Abbiegemanöver an Kreuzungen werden vielfach positiv hervorgehoben.
Allerdings gibt es auch kritische Stimmen. So wurde etwa berichtet, dass das System bei komplexen Verkehrssituationen wie einem mehrstöckigen Autobahnkreuz Schwierigkeiten hatte, die korrekte Spur zu erkennen. In Shanghai kam es zu Auffahrunfällen, weil Fahrer sich offenbar zu sehr auf das System verließen. In der Diskussion steht nun auch die Preisgestaltung. Nutzer weisen darauf hin, dass vergleichbare Systeme bei chinesischen Herstellern deutlich günstiger oder sogar kostenlos erhältlich sind.
Die Entscheidung von Tesla, den Dienst zunächst kostenlos anzubieten, deutet darauf hin, wie intensiv der Wettbewerb inzwischen ist. Fahrzeuge chinesischer Anbieter wie XPeng, Huawei, Nio oder Li Auto verfügen ebenfalls über fortschrittliche Assistenzsysteme. XPengs System namens XNGP erfreut sich bereits einer großen Fangemeinde. Huawei wiederum arbeitet mit verschiedenen Automobilherstellern zusammen und bietet unter dem Namen ADS eigene Systeme an. Die meisten dieser Fahrzeuge verfügen derzeit über sogenannte Level-2-Autonomie, bei der der Fahrer weiterhin die Verantwortung trägt.
Ein technologischer Sprung deutet sich jedoch an. XPeng und Zeekr haben angekündigt, noch im Jahr 2025 erste Fahrzeuge mit Level-3-Funktionen anzubieten, bei denen der Fahrer in bestimmten Situationen die Kontrolle vollständig an das System abgeben kann. Zeekr plant zudem, im April auf der Automesse in Shanghai das neue SUV-Modell Zeekr 9X zu präsentieren und in der zweiten Jahreshälfte auszuliefern. XPeng strebt an, 2026 bereits Fahrzeuge mit vorbereiteter Level-4-Technik in Serie zu bringen.
Auch der Hersteller BYD hat kürzlich verkündet, fortschrittliche Assistenzsysteme künftig serienmäßig und ohne Aufpreis anzubieten. Selbst günstige Modelle sollen über Funktionen wie Spurhaltung und Notbremsassistent verfügen. Branchenkenner sprechen von einer Demokratisierung der Technologie. Währenddessen setzt Tesla weiterhin ausschließlich auf Kameras, während chinesische und europäische Hersteller Radar- und Lidar-Technologie nutzen.
