China verhängt Millionenstrafe gegen PwC
Wirtschaftsprüfer dürfen sechs Monate keine Finanzergebnisse abzeichnen und verlieren wichtige Kunden

Die chinesischen Behörden haben gegen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC eine Strafe in Höhe von 441 Millionen Yuan, umgerechnet 62 Millionen US-Dollar, verhängt. Die Maßnahme wurde vom chinesischen Finanzministerium und der Wertpapieraufsichtsbehörde ausgesprochen und bezieht sich auf Vorwürfe von Prüfungsfehlern im Zusammenhang mit dem Immobilienentwickler Evergrande. Zudem wurde der PwC-Niederlassung in Guangzhou die Lizenz entzogen, was bedeutet, dass PwC China für sechs Monate keine Finanzergebnisse im Land abzeichnen darf.
Im Kern der Vorwürfe stehen Fehler bei der Prüfung der Bilanzen des inzwischen insolventen Immobilienkonzerns Evergrande in den Jahren 2018 bis 2020. Laut dem chinesischen Finanzministerium soll PwC von diesen Fehlern gewusst haben, aber keine entsprechenden Hinweise gegeben haben. Die Firma wird beschuldigt, ihre Unabhängigkeit verloren zu haben und ihre Gewinne künstlich aufgebläht zu haben. Zudem wird PwC mangelnde professionelle Skepsis vorgeworfen, was insbesondere bei der Überprüfung großer Unternehmen von entscheidender Bedeutung ist.
Die chinesische Wertpapieraufsichtsbehörde kritisierte, dass 88 Prozent der von PwC erstellten Aufzeichnungen über Immobilienprojekte nicht der Realität entsprochen hätten. Diese Aufzeichnungen seien „äußerst unzuverlässig“, was das Vertrauen in die Arbeit der Wirtschaftsprüfer weiter erschüttert hat. Die Maßnahmen gegen PwC gelten als die bislang schwerwiegendsten Schritte Pekings gegen ein Unternehmen der sogenannten „Big Four“, zu denen PwC gehört.
Infolge der Vorwürfe hat PwC personelle Konsequenzen gezogen. So wurden sechs Partner entlassen, und fünf weitere Mitarbeiter, die direkt an den Prüfungen beteiligt waren, verloren ebenfalls ihre Stellen. Daniel Li, die oberste Führungskraft von PwC China, hat sich bereit erklärt, als Territory Senior Partner zurückzutreten, bleibt aber in einer anderen Funktion weiterhin im Unternehmen tätig. Zudem hat PwC angekündigt, Geldstrafen gegen gegenwärtige und frühere Führungskräfte zu verhängen, die für die verantworteten Geschäfte zuständig waren.
Der Skandal um die fehlerhaften Bilanzen von Evergrande hat bereits dazu geführt, dass über 30 börsennotierte Unternehmen auf dem chinesischen Festland PwC als Wirtschaftsprüfer abgesetzt haben. Diese Unternehmen zahlten im vergangenen Jahr zusammen über 800 Millionen Yuan an PwC und haben nun das Vertrauen in die Prüfungen der Gesellschaft verloren. Die chinesischen Behörden untersuchen weiterhin, inwieweit PwC mögliche Bilanzmanipulationen hätte erkennen müssen.
