China: Rekordhandelsvolumen alarmiert Aufsichtsbehörden
Chinas Aktienmärkte erreichen beispiellose Handelsvolumina. Die Regulierungsbehörden reagieren mit verschärften Margin-Regeln, um eine Überhitzung wie 2015 zu verhindern.

Die chinesischen Aktienmärkte erleben einen beispiellosen Boom, der die Aufsichtsbehörden zunehmend beunruhigt. Das tägliche Handelsvolumen an den Börsen in Shanghai, Shenzhen und Peking erreichte vergangene Woche drei Tage in Folge neue Rekordwerte. Am Mittwoch wurde mit 3,99 Billionen Yuan (556 Milliarden US-Dollar) ein historischer Höchststand markiert – deutlich über dem bisherigen Rekord von 3,48 Billionen Yuan aus dem Oktober 2024.
Der Leitindex CSI 300 kletterte Anfang des Jahres auf ein Vierjahreshoch, nachdem er 2024 seinen besten jährlichen Zuwachs seit 2020 verzeichnet hatte. Die explosive Entwicklung weckt bei Marktbeobachtern Erinnerungen an den verheerenden Boom-und-Bust-Zyklus von 2015, als eine spekulativ getriebene Rallye in einem dramatischen Crash endete.
Regulierungsbehörden greifen durch
Als Reaktion auf die Überhitzungstendenzen verschärften die chinesischen Aufsichtsbehörden die Regeln für Margin-Geschäfte. Seit Montag müssen Anleger bei neuen Kreditkäufen 100 Prozent der Aktienkosten im Voraus bezahlen – eine Erhöhung von zuvor 80 Prozent. Dies unterbindet faktisch die Kreditaufnahme bei neuen Margin-Transaktionen an allen drei Börsen.
Morgan Stanley interpretiert die regulatorische Verschärfung als klares Signal einer "Überhitzung" der Onshore-Märkte. Der gewichtete Marktstimmungs-Aktivitätsindex der Investmentbank stieg auf 91 Prozent – erstmals seit September 2024 über der kritischen 90-Prozent-Schwelle. Haupttreiber ist das stark gestiegene Handelsvolumen.
Privatanleger dominieren den Markt
Im Gegensatz zu westlichen Märkten wird der chinesische Aktienhandel von Privatinvestoren dominiert. Laut HSBC-Daten machen Kleinanleger etwa 90 Prozent des täglichen Umsatzes aus – an der New York Stock Exchange sind es nur 20 bis 25 Prozent. "Inländische Investoren treiben die Rallye weiterhin an", bestätigt Theodore Shou, Chief Investment Officer bei Skybound Capital.
Ausländische Investoren erhöhten zwar ihre Aktivität mit Nettozuflüssen von über 50 Milliarden US-Dollar in den vergangenen Monaten. Gemessen an der Gesamtgröße des A-Aktien-Marktes bleibt ihre Beteiligung jedoch gering.
Liquiditätsunterstützung erwartet
Trotz der regulatorischen Eingriffe erwarten Analysten, dass die Liquiditätsunterstützung sowohl für A-Aktien als auch für Hongkonger Aktien im ersten Quartal anhalten wird. Die Aufsichtsbehörden stehen vor der Herausforderung, eine gesunde Marktentwicklung zu fördern, ohne die Dynamik abzuwürgen oder eine erneute Spekulationsblase zuzulassen.
