China bremst Rohstoffexporte für Elektroautos
Leere Lager und steigende Preise setzen die westliche Autoindustrie unter Druck

Chinas verschärfte Exportbeschränkungen für Seltene Erden versetzen die internationale Autoindustrie in Unruhe. In den westlichen Industrieländern berichten Zulieferer und Händler von leeren Lagern und stark steigenden Preisen. Vor allem Einkäufer von Rohstoffen, die für die Produktion von Elektrofahrzeugen benötigt werden, stehen unter Druck. „Die Situation ist sehr angespannt“, erklärte Nadine Rajner, Geschäftsführerin des Metallpulver-Händlers NMD. Viele Kunden suchten derzeit gezielt nach Material, das nicht aus China stamme, doch die Lager seien fast leer.
Die Regierung in Peking hatte Anfang Oktober angekündigt, dass fünf Rohstoffe aus der Gruppe der sogenannten Schweren Seltenen Erden künftig nur noch mit speziellen Exportlizenzen ausgeführt werden dürfen. Für die Industrie ist das bereits die zweite Verschärfung dieser Art in kurzer Zeit. Schon im April hatte China ähnliche Maßnahmen ergriffen, die damals zu einem nahezu vollständigen Exportstopp führten. Vertreter des Verbands der Automobilindustrie warnten nun, die neuen Regelungen gingen noch weiter. Durch die Vielzahl zusätzlicher Anträge drohten längere Bearbeitungszeiten, da in China nur wenige Beamte für die Genehmigungen zuständig seien.
Hinzu komme, dass die Behörden detaillierte Angaben zum Endverbraucher des Materials verlangten. Diese strengen Anforderungen verzögerten die Verfahren zusätzlich. In der Folge habe sich der Preis für Leichte Seltene Erden wie Neodym seit dem Sommer etwa verdoppelt, während Schwere Seltene Erden kaum mehr verfügbar seien. Nach Einschätzung von Branchenkennern betreffen die Engpässe vor allem Produkte, die auch militärisch genutzt werden können. Je tiefer man in die Lieferkette schaue, desto weniger Anbieter finde man – viele belieferten sowohl zivile als auch militärische Abnehmer.
Seltene Erden sind zentrale Bestandteile vieler Hightech-Produkte, darunter Elektromotoren, Medizintechnik und Rüstungsgüter. In Fahrzeugen werden sie in zahlreichen kleinen Motoren verbaut, etwa für Scheibenwischer oder Fensterheber, aber auch in Sensoren und Lautsprechern. Besonders groß ist der Bedarf in der Elektromobilität. Zwar kommen die Rohstoffe weltweit vor, doch China kontrolliert den Markt fast vollständig: rund 70 Prozent der Förderung, 85 Prozent der Raffineriekapazitäten und 90 Prozent der Magnetproduktion.
Die Autohersteller versuchen zwar, den Einsatz seltener Metalle zu reduzieren. BMW nutzt etwa Elektromotoren ohne Seltene Erden. Dennoch bleibt eine Abhängigkeit bestehen. Experten befürchten, dass China die Lieferungen innerhalb weniger Wochen weitgehend drosseln könnte. Unternehmen in Europa sehen sich damit einer doppelten Herausforderung gegenüber: leere Lager und fehlende Alternativen. Während die USA und Japan Strategien entwickeln, um unabhängiger von chinesischen Rohstoffen zu werden, bleibt Europa in dieser Frage bislang deutlich zurück.
