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Chemieindustrie: Geschäftserwartungen fallen auf Mehrjahrestief

Das Ifo-Institut meldet einen dramatischen Einbruch der Geschäftserwartungen – der schlechteste Wert seit Oktober 2022.

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Chemieindustrie: Geschäftserwartungen fallen auf Mehrjahrestief

Die deutsche Chemieindustrie blickt so pessimistisch in die Zukunft wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Die monatlich vom Ifo-Institut erhobenen Geschäftserwartungen sind im Mai auf minus 42,0 Punkte abgestürzt – das ist der tiefste Stand seit Oktober 2022 und ein Rückgang von rund 10 Punkten gegenüber dem April. Einzig die Bewertung der aktuellen Geschäftslage hellte sich leicht auf: Hier verbesserte sich der Wert um gut 8 Punkte auf minus 17,5.

Hinter dieser kurzfristigen Aufhellung steckt eine außergewöhnliche Sonderkonjunktur. Seit April profitieren Teile der Branche von gestörten globalen Lieferketten infolge des Iran-Kriegs. Kunden tätigten Hamsterkäufe aus Sorge vor Lieferengpässen, was die Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen vorübergehend ankurbelte. Konzerne wie BASF konnten in diesem Umfeld sogar deutliche Preiserhöhungen durchsetzen.

Ifo-Expertin Anna Wolf dämpft jedoch die Erwartungen: „Die Unternehmen schätzen die aktuelle Belebung im laufenden Geschäft als vorübergehend ein." Der Grund liegt auf der Hand – die strukturellen Probleme der Branche sind unverändert.

Iran-Krieg als kurzfristiger Rückenwind

Der Konflikt im Nahen Osten hat der europäischen Chemieindustrie eine Atempause verschafft, weil die asiatische Konkurrenz stärker betroffen ist. Asiatische Anbieter, die europäische Chemieunternehmen seit Jahren mit Niedrigpreisen unter Druck setzen, sind deutlich abhängiger von Rohstofflieferungen aus der Region. Dieser Wettbewerbsnachteil der Asiaten verschaffte heimischen Firmen kurzfristig Luft.

Doch trotz dieser Sondereffekte planen die Unternehmen laut Ifo mit einer geringeren Produktion und weiterem Personalabbau. Auch die Exporterwartungen haben sich merklich verschlechtert – ein deutliches Signal, dass die Branche die aktuelle Erholung nicht als nachhaltig bewertet.

Strukturkrise bleibt das eigentliche Problem

Die deutsche Chemieindustrie – mit einem Jahresumsatz von rund 220 Milliarden Euro die drittgrößte Industriebranche des Landes nach Automobil- und Maschinenbau – steckt seit Jahren in einer tiefen Strukturkrise. Teure Energie, der intensive Wettbewerb mit Asien, eine schwache Gesamtkonjunktur sowie Überkapazitäten bei Basischemikalien belasten die Branche nachhaltig.

Für Privatanleger, die in Chemieaktien investiert sind oder dies erwägen, bleibt die Lage damit zwiespältig. Die kurzfristige Sonderkonjunktur mag einzelne Quartalszahlen aufhellen, löst aber keines der fundamentalen Probleme. Ifo-Expertin Wolf bringt es auf den Punkt: „Die vorübergehende Sonderkonjunktur verschafft der Branche kurzfristig Luft, die strukturellen Kernprobleme der Branche bleiben jedoch ungelöst."

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