Centrica, Mony Group und Diageo: Drei Aktien im Check
Britische Energiepreise, KI-Bedrohung und Diageo-Sanierung – drei Aktien mit unterschiedlichen Chancen und Risiken.

Die britischen Energiekosten gehören zu den höchsten weltweit. Rund zwei Drittel des Gasbedarfs des Vereinigten Königreichs werden auf dem internationalen Markt eingekauft, was das Land stark der globalen Preisvolatilität aussetzt. Gas zur Stromerzeugung bestimmt im Vereinigten Königreich den gesamten Strompreis – selbst wenn günstigere Quellen verfügbar wären.
Im Vergleich dazu deckt Frankreich mehr als zwei Drittel seines Strombedarfs aus günstiger Kernkraft. Hinzu kommt die marode britische Energieinfrastruktur, die massive Investitionen erfordert und die Kosten weiter in die Höhe treibt.
Centrica: Gewinnrückgang, aber strategische Neuausrichtung
Centrica, der Eigentümer von British Gas, hatte in der Energiekrise dank eigener Nordseegas-Produktion, Speicherkapazitäten und einer aktiven Handelsabteilung Rekordgewinne erzielt. Nun kehrt sich das Bild um: Das bereinigte operative Ergebnis fiel von 1,6 Milliarden Britischen Pfund im Jahr 2024 auf nur noch 814 Millionen Pfund. Das Privatkundengeschäft erzielte immerhin 405 Millionen Pfund operativen Gewinn und übertraf damit die niedrigen Analystenerwartungen.
Das Unternehmen pausiert sein Aktienrückkaufprogramm und richtet sich strategisch neu aus – in Richtung erneuerbare Energien und Kernkraft. Centrica hält eine 15-prozentige Beteiligung am neuen britischen Kernkraftwerk Sizewell C in Suffolk und entwickelt gemeinsam mit der US-Firma X-energy kleine modulare Kernreaktoren. Die Centrica-Aktie gab nach den Zahlen rund 5 Prozent nach, liegt aber auf Jahressicht noch immer rund ein Drittel im Plus. Für ein signifikantes Gewinnwachstum bleibt die Erholung der Gaspreise entscheidend.
Mony Group: Hohe Dividendenrendite, aber KI-Risiko
Die Mony Group, Eigentümer des Preisvergleichsportals MoneySuperMarket, sieht sich mit einem deutlichen Bewertungsrückgang konfrontiert. Die Dividendenrendite stieg in den vergangenen zwei Jahren von 5 auf 8 Prozent, während das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 auf 8 sank. Hintergrund ist neben einem schwächelnden Kfz-Versicherungsmarkt vor allem die Bedrohung durch KI-Agenten, die Preisvergleiche künftig automatisiert übernehmen könnten.
Mony reagiert mit einem eigenen Tool, das über ChatGPT zugänglich ist. Das Brokerhaus Investec hält den Ausverkauf für übertrieben und argumentiert, Nutzer würden sensible Daten nicht leichtfertig einem unabhängigen Chatbot anvertrauen. Kurzfristig bietet die etablierte Marke von MoneySuperMarket erheblichen Schutz – steigende Versicherungsprämien könnten dem Geschäft zusätzlichen Auftrieb verleihen.
Diageo: Dividendenkürzung und noch kein Sanierungsplan
Bei Diageo, dem Spirituosenkonzern hinter Marken wie Johnnie Walker und Guinness, enttäuschten die Zwischenergebnisse. Der organische Nettoumsatz sank um 3 Prozent, der organische operative Gewinn ebenfalls um 3 Prozent – unter anderem wegen Handelszöllen sowie geringerer Volumina in den USA und China. CEO Sir Dave Lewis halbierte die Ausschüttung auf 20 US-Cent je Aktie, um mehr finanzielle Flexibilität zu gewinnen.
HSBC-Analyst Carlos Laboy betont, dass der Sanierungsplan wichtiger sei als der aktuelle Abschluss. Wesentliche strukturelle Änderungen hat Lewis bislang nicht angekündigt. Die Aktie handelt mit einem deutlichen Abschlag gegenüber ihrem historischen Durchschnitt. Ohne eine klare neue strategische Vision bleibt die Empfehlung vorerst auf Halten.
