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CBS ernennt Quereinsteiger Nick Bilton zum „60 Minutes"-Chef

Zum ersten Mal in der Geschichte der Sendung übernimmt ein Journalist ohne klassische TV-Nachrichten-Erfahrung die Leitung.

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CBS ernennt Quereinsteiger Nick Bilton zum „60 Minutes"-Chef

CBS News hat den Journalisten Nick Bilton zum neuen Executive Producer des legendären Nachrichtenmagazins „60 Minutes" ernannt. Es ist das erste Mal in der 57-jährigen Geschichte der Sendung, dass eine Führungspersönlichkeit aus dem Bereich außerhalb des traditionellen Fernsehnachrichtenwesens die Leitung übernimmt. Der 49-jährige Bilton löst Tanya Simon ab, die erst im vergangenen Jahr als erste Frau überhaupt diesen Posten bekleidet hatte.

Biltons Lebenslauf liest sich ungewöhnlich für einen TV-Nachrichtenchef: Er war Technologie-Kolumnist für die New York Times, Korrespondent für das Magazin Vanity Fair und hat mehrere Sachbücher sowie Dokumentarfilme veröffentlicht. Erfahrung in der Leitung eines Fernsehnachrichtenprogramms bringt er damit kaum mit – was jedoch offenbar genau dem entspricht, was CBS News derzeit sucht.

„Nick verkörpert die Energie und den Ehrgeiz, die die Gründer der Sendung antrieben. Wir können uns keine bessere Besetzung vorstellen", erklärten Bari Weiss, Chefredakteurin von CBS News, und Tom Cibrowski, Präsident von CBS News, in einer internen Mitteilung an die Belegschaft.

Strategie zur Verjüngung des Publikums

Die Ernennung Biltons ist Teil einer umfassenderen Umstrukturierungsstrategie bei CBS News. Neben Bilton wurden zuletzt auch Podcaster und Meinungsschreiber eingestellt – allesamt unkonventionelle Personalentscheidungen mit dem Ziel, ein jüngeres Publikum zu gewinnen. Chefredakteurin Bari Weiss treibt diese Transformation voran, nachdem ihr digitales Medienunternehmen „The Free Press" im Oktober von der CBS-Muttergesellschaft Paramount Skydance übernommen wurde.

Weiss verfolgt das Ziel, „60 Minutes" eine sogenannte „Streaming-Mentalität" einzuhauchen. Konkret bedeutet das: Nachrichtenberichterstattung soll zunächst auf digitalen Plattformen beginnen und erst im Fernsehen ihren Abschluss finden. Dieser Ansatz stieß intern auf geteilte Resonanz.

Bilton selbst formulierte seinen Auftrag in einer internen Mitteilung klar: „Ich bin hier, weil sich die Welt außerhalb dieses Gebäudes seit der Konzeption dieser Sendung stark verändert hat – und wir müssen ehrlich darüber sprechen, was das bedeutet."

Rückläufige Quoten trotz hoher Reichweite

Der Handlungsdruck ist real: Zwar war „60 Minutes" in der vergangenen Saison mit durchschnittlich 9,7 Millionen Zuschauern noch immer eine der meistgesehenen Sendungen im amerikanischen Fernsehen. Doch im Vergleich zu vor zehn Jahren sind die Einschaltquoten um mehr als 20 Prozent gesunken – ein Trend, den der Sender mit der Neuausrichtung stoppen will.

Die Umstrukturierung vollzieht sich vor dem Hintergrund monatelanger Turbulenzen bei CBS News. Am Mittwoch kritisierte die langjährige „60 Minutes"-Korrespondentin Sharyn Alfonsi den Sender öffentlich dafür, ihren Vertrag nicht verlängert zu haben. Sie erklärte, sie sei dafür bestraft worden, dass sie sich „geweigert habe, eine wahrheitsgetreue Berichterstattung zu entschärfen".

Politischer Druck und Selbstzensur-Vorwürfe

Hintergrund des Konflikts ist ein Bericht, den Alfonsi im Dezember über Folter in einem salvadorianischen Mega-Gefängnis produziert hatte – einem Gefängnis, in das die Regierung von Präsident Donald Trump Migranten ohne Gerichtsverfahren geschickt hat. Weiss zog den fertigen Beitrag wenige Stunden vor der geplanten Ausstrahlung zurück, was Vorwürfe auslöste, der Sender übe unter politischem Druck Selbstzensur aus.

Der politische Kontext reicht tiefer: David Ellison – Sohn des langjährigen Trump-Unterstützers Larry Ellison – übernahm Paramount im August. Im Zuge der Genehmigung der Fusion versprach Paramount, dass CBS die „vielfältigen ideologischen Perspektiven" der amerikanischen Zuschauer widerspiegeln werde. Bereits im Juli 2025 hatte Paramount Trumps Klage wegen eines „60 Minutes"-Interviews durch eine Zahlung von rund 16 Millionen US-Dollar beigelegt – ein Großteil der Summe ist für Trumps künftige Präsidentenbibliothek bestimmt.

Die Ernennung Biltons markiert damit nicht nur einen personellen Wechsel, sondern steht sinnbildlich für den tiefgreifenden Wandel, dem sich eines der traditionsreichsten Nachrichtenformate des amerikanischen Fernsehens gerade unterzieht.

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