Carvana-Aktie stürzt 14% ab: Shortseller wirft Bilanzmanipulation vor
Gotham City Research beschuldigt den Online-Gebrauchtwagenhändler, Gewinne über CEO-Familie künstlich aufgebläht zu haben.

Die Aktien des Online-Gebrauchtwagenhändlers Carvana sind am Mittwoch um 14,2% auf 410,04 US-Dollar eingebrochen. Auslöser war ein vernichtender Bericht des Shortsellers Gotham City Research, der dem Unternehmen massive Bilanzmanipulationen vorwirft. Es war der zweitschlechteste Handelstag für Carvana im gesamten vergangenen Jahr.
Gotham City Research behauptet, Carvana habe seine Gewinne für die Jahre 2023 und 2024 um mehr als eine Milliarde US-Dollar zu hoch ausgewiesen. Der Kern der Anschuldigungen: Das Unternehmen sei "weitaus abhängiger von verbundenen Parteien" als bisher offengelegt – konkret von Firmen, die von der Familie des CEO Ernie Garcia III kontrolliert werden. Die Gewinne würden laut Gotham maßgeblich auf Schuldenemissionen von DriveTime, "toxischen" Krediten und fragwürdigen Bilanzierungspraktiken beruhen.
Carvana wies die Vorwürfe umgehend als "ungenau und vorsätzlich irreführend" zurück. In einer E-Mail-Stellungnahme betonte das Unternehmen, alle Transaktionen mit verbundenen Parteien seien in den Jahresabschlüssen korrekt offengelegt worden. Zudem bekräftigte Carvana die Pläne, die Geschäftszahlen für 2025 wie geplant am 18. Februar zu veröffentlichen – entgegen Gothams Behauptung, das Unternehmen müsse seinen Jahresbericht verschieben.
Familiäre Verflechtungen im Fokus
Zur Untermauerung seiner Vorwürfe veröffentlichte Gotham die geprüften Jahresabschlüsse 2024 der DriveTime Automotive Group und der Bridgecrest Acceptance Corp. Beide Unternehmen gehören Ernest Garcia II, dem Vater des Carvana-CEO und zugleich größten Aktionär des Online-Händlers. Die Dokumente soll der Shortseller nach eigenen Angaben über das US-Informationsfreiheitsgesetz erhalten haben. CNBC konnte die Authentizität der Unterlagen bislang nicht unabhängig verifizieren.
Die Attacke reiht sich ein in eine Serie von Angriffen durch Leerverkäufer auf Carvana. Bereits im vergangenen Jahr hatte der inzwischen aufgelöste Shortseller Hindenburg Research eine Wette gegen das Unternehmen platziert und die vermeintliche Trendwende als "Fata Morgana" bezeichnet, die auf instabilen Krediten und Bilanzmanipulation basiere.
Spektakuläre Kursrallye seit Beinahe-Insolvenz
Die jüngsten Vorwürfe treffen Carvana in einer Phase beispielloser Kurserholung. Nachdem das Unternehmen Ende 2022 kurz vor der Insolvenz stand, schossen die Aktien von unter 5 US-Dollar auf über 477 US-Dollar am Dienstag – ein Plus von mehr als 9.000%. Im vergangenen Monat wurde Carvana sogar in den prestigeträchtigen S&P 500 Index aufgenommen, was das wiedergewonnene Vertrauen der Investoren unterstrich.
Die drastische Kurserholung macht Carvana zu einem attraktiven Ziel für Shortseller, die auf fallende Kurse wetten. Ob die aktuellen Vorwürfe substanziell sind oder sich als haltlos erweisen, dürfte sich mit der Veröffentlichung der Jahresergebnisse Mitte Februar zeigen. Anleger sollten die Entwicklung aufmerksam verfolgen und die angekündigten Geschäftszahlen genau prüfen.
