BYD kommt in Deutschland nicht vom Fleck
Vertrauen, Händlernetz und Marketing bremsen den chinesischen Elektroautobauer deutlich aus

Die Verkaufszahlen von BYD in Deutschland sind stark gewachsen – und bleiben dennoch weit hinter den Erwartungen zurück. Im ersten Halbjahr 2025 wurden laut Dataforce 6.300 Fahrzeuge neu zugelassen. Das entspricht einem Zuwachs von 420 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Trotz des hohen Tempos bleibt das chinesische Unternehmen jedoch weit vom selbst gesteckten Ziel von 50.000 verkauften Einheiten im laufenden Jahr entfernt. Branchenkenner gehen davon aus, dass maximal ein Viertel dieses Ziels erreicht wird. Angesichts von rund 250.000 Neuzulassungen allein im Juni in Deutschland fällt der BYD-Anteil nach wie vor kaum ins Gewicht.
Auch die für den deutschen Markt verantwortliche Regionalmanagerin Maria Grazia Davino sieht die 50.000 Einheiten wohl nicht mehr als realistische Zielgröße. Stattdessen betont sie die strategische Bedeutung der Marke und verweist auf langfristige Pläne, um BYD in Europa zu etablieren. Entscheidend dafür ist unter anderem der Ausbau des Händlernetzes. Zwar konnte BYD neue Partnerschaften mit großen Autohäusern wie Moll und Kummich verkünden, doch mit insgesamt nur 30 Standorten bundesweit ist das Unternehmen noch weit von einer flächendeckenden Präsenz entfernt. Geplant sind 120 Verkaufsstellen, deren Umsetzung allerdings ins Stocken geraten ist.
Hindernisse beim Marktausbau sehen Experten auch in anderen Bereichen. Die Markenbekanntheit ist gering, das Vertrauen in ein chinesisches Produkt aus dem Automobilsektor bleibt verhalten. Insbesondere der deutsche Markt mit seiner hohen Bindung an etablierte Marken wie Volkswagen oder Mercedes reagiert zögerlich. Zusätzlich wirken sich Meldungen aus China negativ auf das Vertrauen potenzieller Käufer aus. Preiswettbewerb, Produktionskürzungen und staatliche Eingriffe sorgen für Unsicherheit über die Zukunft chinesischer Hersteller.
Ein weiterer Engpass liegt in der Marketingstrategie. Sichtbare Werbekampagnen sucht man bislang vergeblich. Davino begründet das mit einem bewussten Schritt: Die Nachfrage sei größer als das aktuelle Händlernetz abdecken könne. Eine forcierte Werbung würde lediglich die Wartezeiten verlängern. Künftig sollen Marketing und Netzausbau jedoch synchron voranschreiten.
Schwächen in der Abstimmung mit dem chinesischen Management gelten ebenfalls als Wachstumsbremse. Unterschiede in Kommunikation und Entscheidungswegen erschweren laut Branchenbeobachtern die Arbeit der europäischen Zweigstellen. Zwar weist Davino diese Darstellung zurück, räumt aber ein, dass Zeit und Ausdauer notwendig seien, um BYD auf dem hiesigen Markt zu etablieren.
Auch die gesamtwirtschaftliche Situation der Elektromobilität bleibt ein Faktor. Verunsicherung durch konkurrierende Antriebskonzepte bremst den Absatz vieler Marken. BYD ist davon nicht ausgenommen.
