BYD baut Werk in der Türkei
Reaktion auf EU-Strafzölle und schwächelnden chinesischen Automarkt

Der chinesische Elektroautobauer BYD plant laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu den Bau eines neuen Werks in der Türkei. Das Unternehmen hat demnach einen Vertrag mit der türkischen Regierung unterzeichnet, der den Bau einer Produktionsstätte mit einer Kapazität von 150.000 Fahrzeugen jährlich umfasst. Zusätzlich soll ein Entwicklungszentrum errichtet werden. Diese Entscheidung steht im Zusammenhang mit den von der EU verhängten Strafzöllen auf aus China importierte Elektroautos.
Die Strafzölle der EU haben erhebliche Auswirkungen auf den chinesischen Automarkt. Die Exporte von Elektroautos und Plug-In-Hybriden aus China sind rückläufig. Laut Cui Dongshu, Generalsekretär der China Passenger Car Association (CPCA), ist das Wachstum der Exporte aufgrund der Zolldiskussion um 20 bis 30 Prozentpunkte gesunken. In den letzten Monaten stiegen die Exporte nur um gut zehn Prozent, während sie zuvor bei 30 bis 40 Prozent lagen.
Der Anteil der aus China exportierten Elektroautos und Hybridfahrzeuge liegt derzeit bei 21 Prozent, was einen Rückgang um drei Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Auch für den US-Elektroautobauer Tesla läuft es nicht gut. Die Ausfuhren aus dem Werk in Shanghai, wo das Model 3 für den europäischen Markt gefertigt wird, waren im Frühjahrsquartal so niedrig wie zuletzt im dritten Quartal 2022, als ein Corona-Lockdown das Werk beeinträchtigte.
Die EU-Kommission plant vorläufige Zusatzzölle von bis zu 37,6 Prozent für chinesische Elektroautos, begründet durch angeblich unfaire Wettbewerbsvorteile aufgrund hoher Subventionen. Diese Maßnahmen sollen die europäischen Autobauer und deren Umstellung auf Elektromobilität schützen. Doch auch europäische Hersteller wie BMW und Renault sind von den Zusatzzöllen betroffen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck kritisierte diesen Zollwettlauf und wies darauf hin, dass dies letztlich zu höheren Preisen für Verbraucher und Wirtschaft führen könnte.
Auch auf dem heimischen chinesischen Markt läuft es für die Autoindustrie trotz staatlicher Anreize nicht gut. Der Absatz von Fahrzeugen ging im Vergleich zum Vorjahr um 6,9 Prozent auf 1,78 Millionen zurück, wie der Branchenverband CPCA mitteilte. Dies ist der dritte Monat in Folge mit rückläufigen Verkäufen. Die seit 2023 entfachte Preisschlacht auf dem chinesischen Fahrzeugmarkt hatte zunächst die Verkaufszahlen angekurbelt, doch auch staatliche Subventionen konnten den Rückgang in den letzten Monaten nicht aufhalten.
Im Juni wurden in China 9,9 Prozent mehr Elektroautos verkauft, während im Mai noch ein Anstieg von 27,4 Prozent verzeichnet wurde. Der Absatz von Hybrid-Autos hingegen stieg um 67,2 Prozent, nachdem bereits im Vormonat ein Plus von 61,1 Prozent zu verzeichnen war.
