Buffett jagte bis zuletzt den Mega-Deal – Berkshire sitzt auf 382 Mrd. Dollar
Warren Buffett suchte bis zu seinem Rücktritt als Berkshire-CEO Anfang 2026 nach großen Übernahmen. Das Problem: Nicht fehlendes Kapital, sondern zu hohe Preise. Das Konglomerat sitzt auf einem Rekord-Cashbestand von 381,6 Milliarden Dollar.

Der legendäre Investor Warren Buffett hat bis zu seinen letzten Monaten als CEO von Berkshire Hathaway nach dem großen Wurf gesucht. In einem bisher unveröffentlichten Interview, das Teil der CNBC-Dokumentation "Warren Buffett: A Life and Legacy" ist, machte der 95-Jährige deutlich: Es mangelt nicht an Kapital, sondern an vernünftig bewerteten Gelegenheiten.
Anfang 2026 übergab Buffett die Führung an seinen langjährigen Stellvertreter Greg Abel. Zum Ende des dritten Quartals 2025 hatte Berkshire einen Rekord-Cashbestand von 381,6 Milliarden Dollar angehäuft – so viel wie nie zuvor in der Unternehmensgeschichte.
OxyChem-Deal als größte Übernahme seit Jahren
Im Oktober 2025 gelang Berkshire immerhin ein bedeutender Abschluss: Die Übernahme von OxyChem, dem Chemiegeschäft von Occidental Petroleum, für 9,7 Milliarden Dollar in bar. Es war die größte Akquisition seit 2022, als das Unternehmen den Versicherer Alleghany für 11,6 Milliarden Dollar kaufte.
Doch gemessen an Berkshires enormer Finanzkraft sind selbst solche Deals zu klein, um den wachsenden Geldberg signifikant zu reduzieren. Buffett hatte in den vergangenen Jahren massiv Aktien verkauft – vor allem große Teile seiner beiden größten Positionen Apple und Bank of America.
Das Bargeld-Paradoxon
Buffett selbst hat wiederholt betont, dass Bargeld ein schlechter langfristiger Vermögenswert sei. Dennoch besteht er darauf, ausreichende Reserven für unvorhergesehene Krisen vorzuhalten. Er verglich Liquidität einst mit Sauerstoff: "Günstig in der Aufrechterhaltung, aber katastrophal, wenn sie im falschen Moment ausgeht."
Das zentrale Paradoxon: Berkshire schwimmt in Liquidität, findet aber keine Deals zu akzeptablen Preisen. Im Jahr 2025 gab es keine Gelegenheit, die groß genug war und gleichzeitig Buffetts strengen Bewertungskriterien entsprach.
Neue Herausforderungen für Greg Abel
Greg Abel, der neue CEO, bringt umfangreiche Deal-Erfahrung mit. Er spielte eine zentrale Rolle bei mehreren Berkshire-Übernahmen, insbesondere im Energiesektor, und half beim Aufbau von Berkshire Hathaway Energy zu einem Branchenschwergewicht.
Doch die Aktionäre könnten Abel nicht die gleiche Geduld entgegenbringen wie Buffett. Die Berkshire-Aktie hat zuletzt schlechter als der Gesamtmarkt abgeschnitten. Der Druck, das enorme Kapital gewinnbringend einzusetzen, dürfte schnell zu einer der größten Herausforderungen für den neuen Chef werden.
Marktumfeld erschwert Großdeals
Das aktuelle Marktumfeld macht es Berkshire nicht leicht. Viele Unternehmen sind hoch bewertet, was Buffetts Value-Investing-Philosophie widerspricht. Der legendäre Investor war nie bereit, nur um des Investierens willen zu überhöhten Preisen zu kaufen.
Für Abel bedeutet dies eine Gratwanderung: Einerseits muss er Kapital einsetzen und Renditen erwirtschaften. Andererseits darf er nicht von Buffetts bewährten Prinzipien abweichen und voreilige Deals zu teuer einkaufen. Die kommenden Quartale werden zeigen, wie der neue CEO diese Balance meistert.
