Britische Inflation steigt auf 3,4% – Bank of England bleibt gelassen
Die Inflation in Großbritannien kletterte im Dezember überraschend auf 3,4 Prozent. Dennoch rechnen Experten mit baldigen Zinssenkungen der Bank of England, da die Preissteigerungen in den kommenden Monaten deutlich nachlassen dürften.

Die britische Inflation hat im Dezember mit 3,4 Prozent stärker zugelegt als von Analysten erwartet. Das Nationale Statistikamt meldete einen Anstieg gegenüber 3,2 Prozent im November – den ersten Anstieg seit Juli. Ökonomen hatten lediglich mit 3,3 Prozent gerechnet.
Haupttreiber der Teuerung waren Flugtickets und Tabakpreise. Die Flugpreise stiegen aufgrund der erhöhten Nachfrage zur Weihnachtszeit, während höhere Tabaksteuern die Preise für Tabakprodukte in die Höhe trieben. Trotz des Anstiegs bleibt Großbritannien unter den G7-Staaten das Land mit der höchsten Inflationsrate.
Dienstleistungsinflation im Fokus
Besonders aufmerksam verfolgt die Bank of England (BoE) die Entwicklung der Dienstleistungsinflation. Diese stieg von 4,4 auf 4,5 Prozent und lag damit im Rahmen der Erwartungen. "Obwohl der Anstieg größer als erwartet ausfiel, handelt es sich vorerst eher um eine kleine Hürde", kommentierte Adam Deasy, Ökonom bei PwC.
Die Erzeugerpreise im Dienstleistungssektor zeigten im vierten Quartal einen deutlichen Sprung von 2,0 auf 2,9 Prozent. Bei den Herstellern blieb die Erzeugerpreisinflation hingegen stabil.
Zinssenkungen weiter wahrscheinlich
Investoren halten an ihren Erwartungen für Zinssenkungen fest. Die Finanzmärkte preisen für 2026 ein bis zwei Zinssenkungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte ein. Aktuell liegt der Leitzins bei 3,75 Prozent, nachdem die BoE ihn im Dezember gesenkt hatte.
BoE-Gouverneur Andrew Bailey zeigte sich zuversichtlich, dass die Inflation im April oder Mai nahe dem Zielwert von 2 Prozent liegen werde. Grund dafür ist, dass die hohen Energiepreissteigerungen des Vorjahres aus der Jahresvergleichsrechnung herausfallen werden.
Geopolitische Risiken im Blick
Allerdings warnte Bailey vor "erheblichen" Sorgen bezüglich geopolitischer Entwicklungen. US-Präsident Donald Trump droht europäischen Verbündeten mit Zöllen, was die Märkte beunruhigt. Die britischen Erdgas-Futures sind in den vergangenen zwei Wochen bereits um rund 25 Prozent gestiegen.
"Wir prognostizieren weiterhin eine Senkung des Leitzinses in der ersten Hälfte dieses Jahres", erklärte Nicholas Crittenden vom National Institute of Economic and Social Research. Voraussetzung sei allerdings, dass geopolitische Spannungen den Inflationspfad nicht vom Kurs abbringen.
Das Pfund Sterling und die Markterwartungen für die BoE-Zinssätze blieben von den aktuellen Inflationsdaten weitgehend unbeeinflusst. Die Zentralbank wird sich von den Dezember-Zahlen voraussichtlich nicht von ihrem geldpolitischen Kurs abbringen lassen.
