Bosch kämpft mit fehlenden Nexperia-Chips
Lieferengpässe führen zu Produktionsunterbrechungen und umfangreicher Kurzarbeit in mehreren Werken

Trotz fortlaufender Bemühungen um eine Entspannung im Konflikt zwischen den Niederlanden und China über den Chiphersteller Nexperia bleibt die Versorgung mit den betreffenden Bauteilen eingeschränkt. Beim weltweit größten Autozulieferer Bosch kommt es daher in mehreren Werken weiterhin zu zeitweisen Unterbrechungen der Produktion. Das Unternehmen teilte mit, dass an den Standorten Ansbach, Salzgitter und Braga der Betrieb erneut und wiederholt beeinträchtigt sei. Die verfügbaren Mengen an Nexperia-Chips reichen nach wie vor nicht aus, um einen durchgängigen Fertigungsprozess sicherzustellen.
Ein Sprecher von Bosch erklärte, man priorisiere alle Maßnahmen, um Kunden zu bedienen und die Auswirkungen auf die Produktion so gering wie möglich zu halten. Die Engpässe gehen auf politische Entscheidungen zurück, nachdem die niederländische Regierung Ende September dem chinesischen Eigentümer Wingtech die Kontrolle über Nexperia entzogen hatte. In der Folge untersagte China Anfang Oktober den Export von Produkten, die Chips von Nexperia enthalten und aus chinesischer Fertigung stammen. Zwar wurden Anfang November erste Lockerungen signalisiert, doch zeigt sich in der aktuellen Lage, dass diese nicht ausreichen, um den Bedarf der Industrie zu decken.
Währenddessen verhandelt eine Delegation der niederländischen Regierung in dieser Woche in Peking über Wege zur Lösung der politisch ausgelösten Versorgungskrise. Die Gespräche drehen sich um Fragen des Technologietransfers nach China sowie um handels- und industriepolitische Spannungen zwischen China und den USA, die auch europäische Unternehmen belasten.
Bei Bosch sind weiterhin Beschäftigte in mehreren Werken von Kurzarbeit betroffen. In Salzgitter wird sie „situativ“ für 300 bis 400 der rund 1300 Mitarbeitenden angewendet. Am Standort Ansbach betrifft sie etwa 650 von rund 2500 Beschäftigten, die vorübergehend freigestellt werden und Anspruch auf Kurzarbeitergeld erhalten. Besonders ausgeprägt sind die Anpassungen im portugiesischen Werk Braga, wo etwa 2500 der rund 3300 Mitarbeitenden zeitweilig von Arbeitszeitanpassungen und Freistellungen betroffen sind.
Bosch beobachtet die handelspolitischen Entwicklungen eng und erkennt erste Anzeichen für eine Wiederaufnahme eines politischen Dialogs zwischen den beteiligten Staaten. Das Unternehmen verbindet damit die Hoffnung auf eine dauerhafte Stabilisierung der Versorgungslage, um die Produktion wieder uneingeschränkt gestalten zu können.
