Booker-Preis 2026: Zwei ehemalige Gewister auf der Shortlist
Douglas Stuart und Marlon James kämpfen erneut um die renommierteste literarische Auszeichnung.

Zwei ehemalige Preisträger stehen auf der Shortlist für den Booker Prize 2026 für Belletristik. Der schottisch-amerikanische Schriftsteller Douglas Stuart, der den Preis 2020 mit seinem Debütroman „Shuggie Bain“ gewann, ist mit seinem dritten Roman „John of John“ erneut nominiert. Auch der jamaikanische Autor Marlon James, Gewinner des Jahres 2015 für „A Brief History of Seven Killings“, kehrt mit „The Disappearers“ auf die Shortlist zurück. Die sechs nominierten Romane wurden bei einer öffentlichen Veranstaltung im Southbank Centre in London bekannt gegeben.
Die Shortlist umfasst ein breites Spektrum literarischer Genres: dystopische Fiktion, zeitgenössischer Realismus, Campus-Satire und historischer Roman. Die Themen reichen von postapokalyptischen Welten bis zu intimen Reflexionen über Familie und Liebe. Der Gewinner des mit 50.000 Pfund Sterling dotierten Preises wird am 9. November bei einer Zeremonie im Old Billingsgate in London bekannt gegeben.
Die Details
Douglas Stuarts dritter Roman „John of John“ zeigt einen Kunstabsolventen, der in seine Heimat zurückkehrt – in eine strenge, traditionelle calvinistische Inselgemeinde. Die Geschichte thematisiert Klassenunterschiede, Sexualität und Liebe. Marlon James ist mit „The Disappearers“ nominiert, einem Roman, der einen mörderischen, homophoben Angriff im Jamaika der 1980er Jahre und dessen beunruhigende Nachwirkungen nacherzählt. Der Rezensent der Financial Times nannte das Werk einen „außergewöhnlichen und wichtigen Roman“.
M John Harrison – mit 81 Jahren der älteste Gewinner in der Geschichte des Preises könnte er werden – ist für „The End of Everything“ nominiert, einen dystopischen Roman, der im Großbritannien des 21. Jahrhunderts nach einer großen Katastrophe spielt. Die preisgekrönten Dichter Luke Kennard und Rebecca Perry sind für ihre Werke „Black Bag“ – ein dunkelkomischer Campus-Roman über die gegenwärtige Krise der Männlichkeit – und „May We Feed the King“ nominiert, den einzigen Debütroman auf der Liste, in dem ein Kurator in den Orbit eines zögerlichen mittelalterlichen Herrschers hineingezogen wird.
Die amerikanische Pulitzer-Preis-preisgekrönte Autorin Elizabeth Strout, die bereits 2016 mit „My Name is Lucy Barton“ in der Vorauswahl und 2022 mit „Oh William!“ auf der Shortlist stand, ist mit „The Things We Never Say“ wieder auf der Liste – einer Reflexion über die Macht der Geheimnisse.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 15. Juni 2026 berichtete aktien.news über die Sommerlektüre 2026, wobei die Financial Times ihre Auswahl der besten Krimis und Thriller des Jahres veröffentlichte. Im Fokus standen acht Werke, die laut FT-Chefredakteurin Roula Khalaf und weiteren Kritikern das Genre in diesem Jahr besonders bereichern. Die Auswahl reichte von britischen Küstendramen bis hin zu hochaktuellen Geheimdienstthrillern.
Am 19. September 2026 stand Roula Khalaf erneut im Mittelpunkt eines Berichts von aktien.news. Die renommierte Herausgeberin der Financial Times wählt in ihrem wöchentlichen Newsletter regelmäßig ihre favorisierten Geschichten aus. In jener Ausgabe stand eine kuratierte Auswahl an exquisiten Accessoires und Kunstgegenständen im Mittelpunkt, die Mode, Kunst und Handwerk auf höchstem Niveau vereinte.
Am 8. Juni 2026 berichtete aktien.news über die amerikanische Romanautorin Marilynne Robinson, die sich mit einem klaren Appell an Amerika wandte: Das Land solle mit dem „Nachlassen“ aufhören. Die 82-Jährige äußerte sich in einem Gespräch in der Nationalbibliothek von Norwegen in Oslo.
Am 5. Mai 2026 stand der österreichische Autor Robert Seethaler im Fokus, der mit „Der letzte Satz“ ein neues literarisches Werk vorlegte. Die Novelle porträtiert den österreichischen Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler in seinen letzten Lebenstagen.
Was das für Anleger bedeutet
Der Booker Prize zählt zu den renommiertesten literarischen Auszeichnungen für im Englischen verfasste Romane. In der 57-jährigen Geschichte des Preises haben nur vier Autoren den Preis je zweimal gewonnen – zuletzt Hilary Mantel (2009 und 2012) und Margaret Atwood (2000 und 2019). Sollte Douglas Stuart den Preis gewinnen, wäre er nach Mantel der Zweitschnellste als wiederkommender Gewinner.
Für deutsche Privatanleger ist der Booker Prize vor allem als Indikator für literarische Trends und Verlagserfolge von Bedeutung. Die nominierten Werke erfahren regelmäßig deutliche Umsatzsteigerungen nach der Shortlist-Bekanntgabe. Verlage, die die Rechte an den nominierten Titeln halten, können von erhöhter Nachfrage profitieren. Die diesjährige Shortlist zeigt eine bemerkenswerte thematische Bandbreite – von dystopischer Fiktion über Campus-Satire bis hin zu historischen Stoffen.
Ausblick
Der Gewinner des Booker Prize 2026 wird am 9. November bei einer Zeremonie im Old Billingsgate in London bekannt gegeben. Die Jury unter Vorsitz der Historikerin Mary Beard lobte die Vielfalt der ausgewählten Werke. Man treffe „Charaktere aus verschiedenen Ländern und Jahrhunderten“, so Beard. Auf die Frage, ob die Jury das Thema der Männlichkeit in mehreren der nominierten Romane bemerkt habe, sagte Beard, sie betrachte die Shortlist nicht als „sehr männlich“. Das Besondere an der Auswahl sei ihr besonders „aufregend und interessant“ aufgrund der Bandbreite der Themen und Perspektiven.
Beard äußerte sich zudem gelassen zum viel diskutierten Rückgang des Lesens: „Wir sollten daran denken, dass die Menschen immer noch in Buchhandlungen und Bibliotheken gehen, ihre Kindles mit Büchern beladen und in riesigen Mengen zeitgenössische Fiktion lesen.“ Die Shortlist wurde bei einer öffentlichen Veranstaltung im Southbank Centre in London bekannt gegeben.
Kurz erklärt
- Booker Prize: Die renommierteste literarische Auszeichnung für im Englischen verfasste Romane, jährlich verliehen.
- Shortlist: Die engere Auswahl an nominierten Werken, aus der der endgültige Gewinner bestimmt wird.
- Dystopische Fiktion: Literarisches Genre, das eine negative Zukunftsvision oder eine gesellschaftliche Schreckensutopie entwirft.
