Converse entschuldigt sich: Werbung nach KKK-Kritik zurückgezogen
Converse entschuldigt sich nach KKK-Vorwürfen und zieht Werbung zurück.

Converse, die zu Nike gehörende Schuhmarke, hat eine Werbekampagne zurückgezogen und sich öffentlich entschuldigt. Auslöser ist ein Bild, das nach Ansicht von Kritikern an die Bildsprache des rassistischen Ku-Klux-Klan (KKK) erinnert. Der Vorfall sorgte in der vergangenen Woche für breite Empörung in den sozialen Medien.
Wie ABC News am Montag berichtete, zeigte die Werbung den unteren Teil einer Person, die ein weißes, knielanges, rockartiges Kleidungsstück trug. Dieses ähnelte nach Ansicht von Kritikern einer KKK-Robe. Die abgebildete Person hielt schwarze Sneaker in den Händen. Einige Nutzer in sozialen Medien wiesen zudem darauf hin, dass die Beleuchtung dazu führte, dass die schwarzen Sneaker schwebend wirkten – als hänge jemand neben der in den Mantel gehüllten Person. Zudem hätten Schatten auf dem weißen Kleidungsstück eine dreieckige Form gebildet, die an die Spitze einer KKK-Kapuze erinnere.
Die Details
Die Werbung war Teil einer Kampagne zur Bewerbung des Chuck 70 X Sneakers von Converse. Dieser Schuh wurde in Zusammenarbeit mit der K-Pop-Sängerin Karina der Gruppe Aespa entwickelt. Karina war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Die Bilder sind inzwischen auf keinem der Social-Media-Kanäle von Converse mehr verfügbar.
Converse reagierte umgehend auf die öffentliche Kritik. „Es tut uns leid. Wir verstehen, warum dieses Bild tief verstörend wirkt, und erkennen an, dass wir hier einen Fehler begangen haben“, sagte das Unternehmen in einer Erklärung gegenüber ABC News. „Wir haben sie aus unseren Kanälen entfernt und arbeiten daran, sie überall dort zu löschen, wo sie erschienen ist. So etwas hätte nicht passieren dürfen, und wir werden es besser machen.“ Converse und der Mutterkonzern Nike reagierten außerhalb der regulären Geschäftszeiten nicht umgehend auf eine Anfrage von Reuters zur Stellungnahme.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Nike-Tochter Converse steht bereits seit längerem unter wirtschaftlichem Druck. Bereits am 09.02.2026 berichtete aktien.news, dass Converse Stellen abbaut. Damals hieß es, die Umstrukturierung umfasse neben Stellenstreichungen auch neue Rollen und Teamwechsel für einige Mitarbeiter. Die Nike-Aktie reagierte damals mit einem Kursrückgang von fast zwei Prozent im Nachmittagshandel.
Am 06.03.2026 folgte ein weiterer Bericht: Nike verbuchte im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 Vorsteuerbelastungen von rund 300 Millionen Dollar, die größtenteils auf Abfindungszahlungen an entlassene Mitarbeiter entfielen. Konzernchef Elliott Hill trieb damit eine umfassende Restrukturierung voran, um die Profitabilität des Unternehmens wiederherzustellen. Auch die Tochtermarke Converse baute damals Verwaltungsstellen ab, um ihr Betriebsmodell enger an die Muttergesellschaft anzupassen.
Am 25.04.2026 berichtete aktien.news, dass Nike rund 1.400 Mitarbeiter weltweit abbaut – das entspricht etwa zwei Prozent der gesamten Belegschaft. Besonders hart traf die neue Entlassungswelle die Technologieabteilung des Konzerns. Chief Operations Officer Venkatesh Alagirisamy erklärte damals, Ziel sei es, die Komplexität der globalen Geschäftsabläufe zu verringern.
Zuletzt berichtete aktien.news am 02.08.2026 über Nikes Strategiewechsel in China. Das Unternehmen zieht sich dort aus rabattierten Großhandelskanälen zurück und gibt von Partnern betriebene Online-Shops auf. Analysten von Bernstein prognostizieren, dass sich Nikes operative Margen in China im Geschäftsjahr 2027 um 200 Basispunkte auf 24 Prozent verbessern werden.
Was das für Anleger bedeutet
Der aktuelle Werbe-Fauxpas von Converse ist für deutsche Privatanleger vor allem im Kontext der angespannten wirtschaftlichen Lage der Nike-Tochter zu sehen. Converse befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Restrukturierungsprozess, der von Stellenabbau und engerer Anbindung an den Mutterkonzern geprägt ist. Ein öffentlichkeitswirksamer Fehltritt wie dieser kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.
Das Unternehmen riskiert nicht nur Imageschäden, sondern auch potenzielle negative Auswirkungen auf die Verkaufszahlen der beworbenen Produkte. Die Kampagne zielte auf die junge, modebewusste Zielgruppe der K-Pop-Fans ab – ein Segment, das für Marken wie Converse zunehmend wichtiger wird. Ein Glaubwürdigkeitsverlust in dieser Zielgruppe könnte die ohnehin angespannte Umsatzentwicklung weiter belasten.
Eine direkte Auswirkung auf den Aktienkurs des Mutterkonzerns Nike ist kurzfristig nicht zwingend zu erwarten. Allerdings zeigt der Vorfall, dass die Marke Converse in einer Phase der Neuausrichtung operativ und kommunikativ unter Druck steht. Anleger sollten die Entwicklung im Auge behalten, insbesondere ob weitere negative Schlagzeilen folgen oder ob sich der Vorfall auf die Partnerschaft mit K-Pop-Stars auswirkt.
Ausblick
Converse hat angekündigt, die Werbung nicht nur von den eigenen Kanälen, sondern überall dort zu löschen, wo sie erschienen ist. Das Unternehmen hat sich öffentlich entschuldigt und erklärt, man werde es besser machen. Konkrete Termine für weitere Schritte oder eine Neupositionierung der Kampagne wurden bislang nicht genannt. Auch der Mutterkonzern Nike hat sich bisher nicht über die üblichen Geschäftszeiten hinaus zu dem Vorfall geäußert.
Kurz erklärt
- Ku-Klux-Klan (KKK): Ein rassistischer, weißer suprematistischer Geheimbund in den USA, der vor allem durch Gewaltakte und Einschüchterung gegen afroamerikanische Bürger bekannt wurde.
- K-Pop: Abkürzung für koreanische Popmusik, ein Musikgenre aus Südkorea, das weltweit vor allem bei jungen Zielgruppen extrem populär ist.
- Restrukturierung: Ein tiefgreifender Umbau eines Unternehmens, der oft Stellenabbau, Kostensenkungen und organisatorische Veränderungen umfasst, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.
