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BofA: Nahost-Frieden würde Europas Aktien-Underperformance kaum umkehren

Bank of America bleibt bei „Underweight" für Europa – Energiekrise, schwaches Wachstum und steigende Zinsen belasten den Kontinent nachhaltig.

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BofA: Nahost-Frieden würde Europas Aktien-Underperformance kaum umkehren

Bank of America (BofA) Global Research hält an ihrer pessimistischen Einschätzung für europäische Aktien fest. In einem am 8. Mai 2026 veröffentlichten Bericht zur europäischen Aktienstrategie bekräftigen die Experten die Einstufung „Underweight" gegenüber globalen Benchmarks. Selbst eine mögliche Beilegung des Iran-Krieges würde die strukturellen Probleme Europas nach Ansicht der Analysten nicht lösen.

Der Kern des Problems liegt in Europas starker Abhängigkeit von Energieimporten. Seit Beginn des Konflikts hat diese Abhängigkeit dazu geführt, dass europäische Aktien gegenüber globalen Vergleichsmärkten bereits um 7% underperformt haben. Die Hoffnungen auf ein Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran haben zuletzt zwar zugenommen – doch BofA dämpft die Erwartungen deutlich.

„Wir bezweifeln, dass selbst ein schnelles Ende des Iran-Krieges die entscheidenden Faktoren für die Underperformance Europas umkehren würde", erklären die BofA-Strategen in ihrem Bericht. Diese Einschätzung stützt sich auf eine Reihe konkreter makroökonomischer Prognosen, die ein düsteres Bild für die Region zeichnen.

Energiepreise bleiben auf hohem Niveau

Selbst im optimistischen Szenario einer raschen Konfliktlösung bis Ende Mai erwartet BofA, dass Brent-Rohöl im zweiten und dritten Quartal 2026 bei rund 100 US-Dollar pro Barrel verharren wird. Noch gravierender könnte die Lage am europäischen Erdgasmarkt werden: Aufgrund erheblicher Versorgungsengpässe und des dringenden Bedarfs an Bestandsaufbau könnten die Gaspreise auf über 80 Euro pro Megawattstunde steigen.

Diese Energiekosten treffen die europäische Wirtschaft an einem empfindlichen Punkt. BofA prognostiziert, dass der anhaltende Energiedruck das Wachstum der privaten Inlandsnachfrage im Euroraum auf annualisierter Quartalsbasis auf nahezu -1% drücken wird. Gleichzeitig würde der Einkaufsmanagerindex (PMI) im Euroraum um 2 bis 3 Punkte auf einen Wert von 45 fallen – ein Niveau, das klar auf eine wirtschaftliche Kontraktion hindeutet, da Werte unter 50 Schrumpfung signalisieren.

Kreditbedingungen und EZB-Zinserhöhung als zusätzliche Belastung

Neben den Energiekosten identifiziert BofA zwei weitere wesentliche Gegenwindfaktoren. Erstens haben sich die Kreditbedingungen in Europa merklich verschlechtert. Die Analysten sprechen vom „stärksten Wachstumsgegenwind aus dem Kreditzyklus seit 2022" – ein deutliches Warnsignal für die Konjunkturaussichten.

Zweitens erwartet BofA für den Sommer eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) um 50 Basispunkte. Diese geldpolitische Straffung dürfte den ohnehin unter Druck stehenden Wirtschaftsausblick weiter belasten und die Finanzierungskosten für Unternehmen und Verbraucher zusätzlich erhöhen.

Abwärtspotenzial von 15% für europäische Aktien

Besonders besorgniserregend ist laut BofA die aktuelle Bewertungssituation. Europäische Aktien preisen derzeit einen optimistischeren Wachstumskurs ein, als die makroökonomischen Fundamentaldaten rechtfertigen. Die Analysten warnen, dass der Markt nervös werden dürfte, sobald weitere Anzeichen einer Wachstumsverschlechterung sichtbar werden.

Unter den beschriebenen makroökonomischen Bedingungen sehen die BofA-Strategen ein Abwärtspotenzial von rund 15% für europäische Aktien. Für deutsche Privatanleger, die in europäische Indizes oder Einzelaktien investiert sind, unterstreicht dieser Ausblick die Notwendigkeit einer sorgfältigen Risikoabwägung. Die Kombination aus hohen Energiepreisen, schwachem Binnenwachstum, verschlechterten Kreditbedingungen und einer restriktiveren EZB-Politik stellt eine ungewöhnlich breite Front an Belastungsfaktoren dar.

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