Börsenturbulenzen: Grüne Energiewende auf dem Prüfstand
Wie die Kapitalmärkte auf Kursverluste bei Solar- und Windkraftaktien reagieren und welche Auswirkungen das auf die Automobilindustrie hat

In Zeiten, in denen der DAX unaufhörlich neue Höhen erklimmt, erleben "grüne" Unternehmen an den Börsen einen drastischen Kursverfall. Diese Entwicklung lässt die Frage aufkommen, ob die Kapitalmärkte ihren Beitrag zur Finanzierung der Klimawende leisten können. Investoren haben in den letzten Monaten deutlich gemacht, dass sie in der aktuellen Börsenlandschaft offenbar nicht gewillt sind, den Weg zur Klimaneutralität zu finanzieren. Die Aktienkurse von Unternehmen, die sich ausschließlich auf Solar- und Windkraft oder die Bereitstellung entsprechender Technologien spezialisiert haben, sind im Jahr 2023 erheblich gesunken.
Der S&P Global Clean Energy Index, der die weltweit 100 größten Unternehmen dieser Branche enthält, verzeichnete in diesem Jahr einen Rückgang von etwa 30 Prozent. Das dänische Unternehmen Orsted, der weltweit größte Windkraftentwickler, verlor seit Anfang 2021 etwa 75 Prozent seines Wertes, wobei auch interne Probleme dazu beitrugen.
Selbst ein längerfristiger Vergleich zeigt, dass Technologie gefragt ist, aber derzeit keine "grüne" Technologie. Der Wert des S&P Global Clean Energy Index hat sich seit Anfang 2008 um mehr als die Hälfte reduziert, während der US-Technologieindex Nasdaq in diesem Zeitraum um mehr als 600 Prozent gestiegen ist.
Diese Entwicklung bedeutet nicht zwangsläufig das Ende des Weges zur Klimaneutralität. Dennoch stellt sich die Frage, ob die Kapitalmärkte den erwarteten Anteil an der Finanzierung dieser Reise übernehmen können.
Auch die Automobilindustrie, Deutschlands Schlüsselbranche, ist von dieser Entwicklung betroffen. Elektroautos sind an den Aktienmärkten längst nicht mehr das boomende Thema. Als Ford Motor einen elektrischen Mustang und Pick-up-Truck auf den Markt brachte, überstieg der Marktwert des Unternehmens erstmals die 100-Milliarden-Dollar-Marke. Aktuell liegt er nur noch bei 42 Milliarden Dollar.
Natürlich gibt es Ausnahmen wie Tesla, das bewiesen hat, dass die Herstellung von Elektroautos profitabel sein kann. Bisher scheint Tesla jedoch die Ausnahme zu sein. Das Unternehmen konnte als "Pionier" Fahrer gewinnen, die bereit waren, die Kosten und den Aufwand für das Aufladen eines Elektrofahrzeugs in Kauf zu nehmen, um im Gegenzug Leistung und Umweltfreundlichkeit zu erhalten.
Für andere Hersteller scheint dieser Ansatz noch nicht erfolgreich zu sein, was sich auch in den Aktienkursen der deutschen Automobilhersteller widerspiegelt. Lediglich BMW bildet eine Ausnahme, hauptsächlich aufgrund ihrer Offenheit gegenüber verschiedenen Antriebsarten, sei es Elektroantrieb, Verbrenner oder Wasserstoff.
Nicht zuletzt sind sowohl "grüne" Unternehmen als auch Automobilhersteller deutlich unterbewertet. Eine weitere Unsicherheit in diesem Zusammenhang ergibt sich aus der Ankündigung von Manfred Weber, dem Vorsitzenden der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, im Falle eines Wahlsieges das in dieser Legislaturperiode vom Europäischen Parlament beschlossene Verbrennerverbot rückgängig zu machen. Dies wirft Fragen zur zukünftigen Ausrichtung und Unterstützung der grünen Wirtschaftssektoren auf den europäischen Märkten auf. Die Entwicklungen an den Börsen werden weiterhin aufmerksam verfolgt werden müssen, um zu sehen, ob sie sich im Einklang mit den globalen Klimazielen bewegen oder in eine andere Richtung tendieren.
