Börsen unter Druck durch Trumps Zollpolitik
Der tägliche Marktbericht von Aktien.news

Der deutsche Aktienindex DAX hat am Dienstag erneut Verluste verzeichnet. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung rutschte der Leitindex am Nachmittag ins Minus und beendete den Handelstag mit einem Rückgang von 1,29 Prozent auf 22.328 Punkte. Zuvor hatte der DAX noch ein Tageshoch von über 22.800 Punkten erreicht. Bereits am Vortag hatte der Index um 1,7 Prozent nachgegeben. Marktbeobachter sehen die zunehmenden Rezessionsängste in den USA als Hauptbelastungsfaktor für die Aktienmärkte. Die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der US-Regierung, insbesondere die Verschärfung der Zollpolitik, sorgen für Unsicherheit an den Finanzmärkten.
Auch an der Wall Street setzte sich die Abwärtsbewegung fort. Der Dow Jones fiel um mehr als 1,5 Prozent auf 41.297 Punkte, nachdem er bereits am Montag um 2,1 Prozent nachgegeben hatte. Besonders belastend wirkte die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die Zölle auf alle aus Kanada importierten Stahl- und Aluminiumprodukte auf 50 Prozent anzuheben. Diese Maßnahme wurde als Reaktion auf die von Kanada verteuerten Stromexporte in die USA getroffen. Während die Industriewerte stark unter Druck standen, hielten sich Technologieaktien vergleichsweise besser. Der Nasdaq 100 büßte rund 0,8 Prozent ein, nachdem er am Montag den stärksten Rückgang seit 2022 verzeichnet hatte.
In Deutschland steht weiterhin das geplante Finanzpaket der Bundesregierung im Fokus. Die Große Koalition aus Union und SPD plant milliardenschwere Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur. Marktteilnehmer erhoffen sich durch diese Maßnahmen eine Stabilisierung der schwachen Konjunktur. Experten warnen jedoch vor möglichen negativen Folgen der steigenden Staatsverschuldung, insbesondere mit Blick auf höhere Anleiherenditen und deren Auswirkungen auf andere Industriestaaten. Die Verhandlungsbereitschaft der Grünen über eine mögliche Zustimmung im Bundestag sorgte für leichte Zuversicht, doch bleibt die Unsicherheit über die endgültige Umsetzung des Pakets bestehen.
Der Eurokurs zeigte sich unterdessen stabil und überschritt erstmals seit November wieder die Marke von 1,09 Dollar. Die Gemeinschaftswährung profitierte von der Schwäche des US-Dollars, die durch die zunehmenden Konjunktursorgen in den Vereinigten Staaten verstärkt wurde. Auch die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Belebung in Deutschland durch die geplanten schuldenfinanzierten Investitionen trug zur Stärkung des Euro bei.
Am Ölmarkt kam es nach den Vortagesverlusten zu einer Gegenbewegung. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg um 0,6 Prozent auf 69,60 Dollar. Seit Jahresbeginn hatten sich die Ölpreise aufgrund der globalen Unsicherheiten um etwa 15 Prozent verbilligt. Analysten sehen weiterhin Risiken für das Angebot, insbesondere aufgrund stagnierender Bohraktivitäten in den USA. Die vergleichsweise hohen Kosten der Schieferölförderung könnten die Produktion bei anhaltend niedrigen Preisen begrenzen.
Im Technologiesektor fiel Tesla mit einer leichten Erholung auf. Die Aktie legte um bis zu fünf Prozent zu, nachdem sie seit ihrem Höchststand Mitte Dezember mehr als 50 Prozent verloren hatte. US-Präsident Trump kündigte an, ein Fahrzeug des Unternehmens zu kaufen, um Gründer Elon Musk zu unterstützen, den er als bedeutenden Unternehmer bezeichnete. Die politischen Kontroversen um Musk hatten zuletzt für Kritik an Tesla gesorgt.
Auch der deutsche Automobilhersteller Volkswagen geriet in den Fokus. Der Konzern meldete einen Gewinneinbruch um 30,6 Prozent auf 12,39 Milliarden Euro für das Jahr 2024. Der Umsatz stieg zwar leicht auf 324,7 Milliarden Euro, doch höhere Kosten und ein schwaches China-Geschäft belasteten das Ergebnis. VW hat bereits ein Sparprogramm angekündigt, das die Rentabilität steigern soll. Konzernchef Oliver Blume setzt dabei auch auf politische Unterstützung.
Der Konsumgüterkonzern Henkel stand nach einer verhaltenen Prognose für den Jahresstart unter Druck. Die schwache Konsumstimmung in den USA belastet das Geschäft, sodass das Unternehmen nur von einem langsamen Wachstum im weiteren Jahresverlauf ausgeht. Trotz geplanter Aktienrückkäufe und einer höheren Dividende verlor die Aktie über zehn Prozent an Wert.
Auch der US-Technologiekonzern Oracle enttäuschte mit seinem Quartalsergebnis. Der Umsatz stieg währungsbereinigt um acht Prozent auf 14,1 Milliarden Dollar, blieb jedoch hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Der Reingewinn lag mit 1,47 Dollar je Aktie ebenfalls unter den Prognosen. Der harte Wettbewerb im Cloud-Geschäft und die Investitionszurückhaltung der Kunden sorgten für Zurückhaltung bei den Anlegern.
