Börsen schwanken zwischen Hoffnung und Unsicherheit
Der tägliche Marktbericht von Aktien.news

Der deutsche Leitindex hat sich zur Wochenmitte leicht nach oben bewegt, ohne dabei eine klare Richtung einzuschlagen. Der DAX schloss gestern mit einem Plus von 0,23 Prozent bei 23.666 Punkten, bleibt jedoch weiterhin in einer engen Handelsspanne rund um die Marke von 23.600 Punkten. Analysten sprachen von einem stotternden Marktumfeld, in dem es an Impulsen fehlt und Rally-Versuche regelmäßig ins Leere laufen. Belastet wurde die Stimmung zusätzlich durch den ifo-Geschäftsklimaindex, der im September erstmals seit einem halben Jahr zurückging und die Aussichten für die deutsche Konjunktur eintrübte. Der Index fiel von 88,9 Punkten im August auf 87,7 Zähler.
Auch an der Wall Street zeigte sich ein schwaches Bild. Der Dow Jones rutschte leicht ins Minus und beendete die jüngste Rekordjagd mit einem Rückgang auf 46.292 Punkte. Der Nasdaq 100 verlor etwa 0,5 Prozent. Marktteilnehmer reagierten auf Aussagen von Fed-Chef Jerome Powell, der Risiken für Inflation und Beschäftigung betonte. Trotz guter Daten vom US-Immobilienmarkt rechnen fast alle Beobachter mit einer Zinssenkung im Oktober. Der Verkauf neuer Einfamilienhäuser hatte im August mit einem Anstieg von über 20 Prozent die Erwartungen klar übertroffen.
Am Devisenmarkt fiel der Euro nach den schwachen ifo-Daten deutlich zurück und notierte bei 1,1743 Dollar, ein Minus von 0,59 Prozent. Der Ölpreis der Sorte Brent legte dagegen leicht auf 68,17 Dollar je Barrel zu, nachdem die US-Reserven gesunken waren. Gleichzeitig kündigte die EU-Kommission an, höhere Zölle auf russische Ölimporte vorzubereiten.
Unter den Einzelwerten standen Rüstungsaktien im Fokus. Rheinmetall, Renk und Hensoldt verzeichneten deutliche Kursgewinne, getrieben von der verschärften Rhetorik im Ukraine-Krieg und einer Kehrtwende in der Haltung von US-Präsident Donald Trump. Die Commerzbank setzte sich mit einem geplanten Aktienrückkaufprogramm an die DAX-Spitze. Bis Mitte Februar 2026 will das Institut eigene Papiere im Wert von bis zu einer Milliarde Euro zurückkaufen.
Zudem gab es eine Reihe von Unternehmensnachrichten. RWE und Total erhielten den Zuschlag für ein Offshore-Windparkprojekt vor der Normandie. BASF kündigte die Einstellung der Hydrosulfit-Produktion in Ludwigshafen an, was rund 65 Mitarbeiter betrifft. Der Verpackungshersteller Gerresheimer musste sich einer Prüfung durch die BaFin stellen und verzeichnete daraufhin einen Kurseinbruch von bis zu 38 Prozent. Stellantis plant angesichts schwacher Nachfrage Produktionsstopps an mehreren europäischen Standorten, darunter auch im Werk Eisenach.
Technologiewerte bestimmten ebenfalls die Schlagzeilen. SAP und OpenAI kündigten eine Kooperation zur Einführung sicherer KI-Anwendungen in deutschen Verwaltungen und Bildungseinrichtungen an. Parallel dazu planen OpenAI, Oracle und SoftBank den Bau von fünf neuen Rechenzentren in den USA. Zudem meldete die Chipfirma Micron ein Rekordquartal mit einem Umsatzplus von 46 Prozent auf 11,32 Milliarden Dollar und einem kräftigen Gewinnanstieg.
