Börsen erholen sich nach Verlusten deutlich
Der tägliche Marktbericht von Aktien.news

Der deutsche Aktienmarkt hat sich nach drei verlustreichen Tagen stabilisiert. Der DAX legte um 1,56 Prozent auf 22.676 Punkte zu, nachdem er in den vergangenen Sitzungen fast fünf Prozent eingebüßt hatte. Ausschlaggebend für die Erholung waren unter anderem die neuesten Inflationsdaten aus den USA. Im Februar schwächte sich die Teuerung dort stärker als erwartet auf 2,8 Prozent ab, nachdem die Jahresrate im Januar noch bei 3,0 Prozent gelegen hatte. Trotz dieser Entwicklung dürfte die US-Notenbank ihren geldpolitischen Kurs kaum lockern, da sie weiterhin von preistreibenden Effekten durch die neue aggressive Zollpolitik der US-Regierung ausgeht.
Darüber hinaus sorgte die Aussicht auf einen möglichen Waffenstillstand in der Ukraine für Zuversicht. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, dass die Ukraine den von den USA vorgeschlagenen 30-tägigen Waffenstillstand akzeptiere. Nun liege es an den Vereinigten Staaten, Russland zur Zustimmung zu bewegen. Sollte Moskau einwilligen, könnte der Waffenstillstand sofort in Kraft treten. Die Entwicklung trug dazu bei, dass sich auch die US-Börsen stabilisierten. Der Dow Jones konnte seine frühen Verluste wettmachen und notierte zuletzt nahezu unverändert, während Technologiewerte deutlich zulegten. Der Nasdaq 100 gewann mehr als ein Prozent.
Die Handelskonflikte der USA mit wichtigen Partnern bleiben weiterhin ein belastender Faktor. Jüngst sorgte die Anhebung der US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus Kanada auf 25 Prozent für Unruhe. Nachdem Ontario einen Aufschlag auf Stromexporte in die USA in Aussicht gestellt hatte, drohte US-Präsident Donald Trump zunächst mit einer Verdopplung der Zölle, ruderte jedoch zurück, nachdem Ontario seine Pläne ausgesetzt hatte. Die Zollpolitik der US-Regierung hatte zuletzt zu massiven Verlusten an den Börsen geführt. Im S&P 500 sind seit Februar mehr als vier Billionen Dollar an Marktwert verloren gegangen. Die Europäische Union kündigte als Reaktion auf die neuen US-Zölle Vergeltungsmaßnahmen an. Ab April sollen Einfuhren von US-Produkten wie Whisky, Motorrädern und Booten wieder mit Zöllen belegt werden. Weitere Maßnahmen könnten Mitte April beschlossen werden.
In der deutschen Wirtschaft zeigt sich insbesondere die Chemie- und Pharmaindustrie weiterhin schwach. Laut dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) wird die Produktion 2025 voraussichtlich stagnieren, der Umsatz dürfte lediglich um ein Prozent auf 219 Milliarden Euro steigen. Während die Chemieproduktion um zwei Prozent schrumpfen dürfte, rechnet der Verband für die Pharmasparte mit einem Wachstum von zwei Prozent.
Der Rüstungskonzern Rheinmetall profitiert derweil von steigenden Rüstungsbudgets. Nach einem Rekordjahr erwartet das Unternehmen einen weiteren Umsatzanstieg von 25 bis 30 Prozent. Das operative Ergebnis soll ebenfalls verbessert werden, während die operative Rendite auf 15,5 Prozent steigen soll. 2024 hatte Rheinmetall bereits einen Umsatz von 9,7 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis von 1,478 Milliarden Euro erzielt. Die Aktionäre sollen eine erhöhte Dividende von 8,10 Euro je Aktie erhalten.
Eine positive Entwicklung verzeichnete auch Siemens Energy. Eine milliardenschwere Order aus Saudi-Arabien sorgte für einen Kursanstieg der Aktie um 8,9 Prozent. Gemeinsam mit Harbin Electric wird Siemens Energy zwei gasbetriebene Kraftwerke ausrüsten. Das Auftragsvolumen von 1,6 Milliarden Dollar entspricht rund elf Prozent des gesamten Auftragseingangs des Unternehmens. In der Automobilbranche musste Porsche hingegen einen Gewinneinbruch hinnehmen. Hohe Kosten und ein rückläufiger Absatz in China führten zu einem operativen Ergebnisrückgang um 22,6 Prozent auf 5,64 Milliarden Euro. Trotz eines noch stärkeren Gewinnrückgangs je Aktie um über 30 Prozent soll die Dividende unverändert bleiben.
Continental treibt die geplante Abspaltung seiner Autozuliefersparte weiter voran. Der Börsengang ist für September geplant. Die Aktionäre sollen für zwei Continental-Aktien jeweils eine Aktie des neuen Unternehmens erhalten. Der Chemikalienhändler Brenntag verzeichnete einen Umsatzrückgang um 3,4 Prozent auf 16,23 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis sank um 12,9 Prozent, und auch der Nettogewinn ging um fast ein Viertel zurück. Die Dividende soll dennoch stabil bei 2,10 Euro je Aktie bleiben.
Mercedes-Benz ernannte Jason Hoff zum neuen Nordamerika-Chef. Er wird künftig die strategische Ausrichtung des Konzerns in den USA verantworten. Der Sportartikelhersteller Puma meldete für das vergangene Jahr einen Gewinnrückgang um 7,6 Prozent auf 282 Millionen Euro. Das Unternehmen rechnet auch für das laufende Jahr mit einem nur mäßigen Umsatzwachstum. Zudem sollen rund 500 Arbeitsplätze abgebaut werden. Im SDAX kommt es zu einer Veränderung: Der Onlinehändler About You scheidet aufgrund der Übernahme durch Zalando aus dem Index aus und wird durch den T-Sicherheitsdienstleister Secunet ersetzt. Diese Änderung tritt am 24. März in Kraft.
