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Boeing zieht bei Bestellungen an Airbus vorbei

Politische Verhandlungen und Markttrends prägen das Rennen um neue Aufträge

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Boeing zieht bei Bestellungen an Airbus vorbei

Der US-Flugzeugbauer Boeing dürfte den europäischen Wettbewerber Airbus bei den Neuaufträgen erstmals seit sechs Jahren übertreffen. Airbus-Chef Guillaume Faury erklärte in einem Interview mit dem französischen Radiosender France Inter, Boeing könne in diesem Jahr voraussichtlich die Führung übernehmen. Hintergrund seien unter anderem politische und handelspolitische Rahmenbedingungen, die in den vergangenen Jahren die Auftragsvergabe beeinflusst hätten.

Faury verwies darauf, dass die frühere Zollpolitik des damaligen US-Präsidenten Donald Trump Boeing im internationalen Geschäft Vorteile verschafft habe. Flugzeugaufträge seien Bestandteil von Verhandlungen zur Beilegung eines Zollstreits zwischen den USA und mehreren Staaten gewesen. Nach Einschätzung von Analysten nutzten zahlreiche Fluggesellschaften, insbesondere in Asien, diese Verhandlungen, um entweder neue Bestellungen zu platzieren oder zuvor geplante Aufträge zeitnah öffentlich zu machen. Dies habe auch dem Ziel gedient, im laufenden Streit eine entspanntere Verhandlungsbasis mit den USA zu schaffen.

In Branchenkreisen in den USA wurde jedoch betont, die Nachfrage nach dem Boeing-Langstreckenmodell 787 entwickle sich unabhängig von handelspolitischen Erwägungen. Boeing profitiert demnach weiterhin von einer robusten Nachfrage nach diesem Modell, während Airbus im Segment der kleineren Maschinen, insbesondere mit der A321, stark positioniert ist. Beide Hersteller verzeichnen hohe Nachfrage, bedienen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte im Markt.

Bis Ende November registrierte Boeing netto 908 Bestellungen, bereinigt um Stornierungen. Airbus kam im gleichen Zeitraum auf 700 Bestellungen. Trotz des möglichen Rückstands bei den Neuaufträgen betonte Faury, Airbus verfüge weiterhin über einen deutlich größeren Auftragsbestand als der US-Konkurrent. Zudem werde Airbus im laufenden Jahr voraussichtlich mehr Flugzeuge ausliefern als Boeing.

Zu jüngsten technischen Herausforderungen äußerte sich Faury ebenfalls. Die Software-Panne, die zuvor Maschinen aus der A320-Baureihe betroffen hatte, sei behoben. Der Rückruf sei abgeschlossen, und tatsächlich habe die Problematik weniger Flugzeuge umfasst als zunächst berichtet worden war. Betroffen gewesen seien etwa 4000 Maschinen und nicht 6000, wie zuvor öffentlich diskutiert worden war.

Die Wettbewerbssituation zwischen Boeing und Airbus bleibt vor diesem Hintergrund dynamisch. Während Boeing in diesem Jahr voraussichtlich die meisten Neuaufträge verbucht, hält Airbus in anderen operativen Bereichen strukturelle Vorteile. Beide Unternehmen rechnen mit anhaltender Nachfrage in den kommenden Jahren, insbesondere angesichts steigenden globalen Flugverkehrs.

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