Boeing reagiert auf Streik mit Einstellungsstopp und Sparmaßnahmen
Beurlaubungen, Reisebeschränkungen und verzögerte Produktion gefährden die wirtschaftliche Erholung des Konzerns

Boeing steht aufgrund eines Streiks seiner größten Gewerkschaft vor erheblichen Herausforderungen. Das Unternehmen hat als Reaktion auf die Arbeitsniederlegung umfassende Sparmaßnahmen ergriffen. So wurde ein Einstellungsstopp verhängt, und zahlreiche Mitarbeiter werden beurlaubt. Dienstreisen sollen auf das absolut Notwendige reduziert werden. Dies kündigte der Finanzchef Brian West in einer internen E-Mail an die Belegschaft an. Boeing sieht sich gezwungen, Kosten einzusparen, da der Streik die wirtschaftliche Erholung des Unternehmens gefährde, so West.
Zu den weiteren Sparmaßnahmen gehören unter anderem Reisebeschränkungen für das Management, das künftig keine Business- oder Erste-Klasse-Flüge mehr buchen darf. Auch Gehaltserhöhungen im Zusammenhang mit Beförderungen werden vorerst ausgesetzt. Des Weiteren soll die Teilnahme an internationalen Airshows stark eingeschränkt werden, um zusätzliche Kosten zu vermeiden. Die Maßnahmen verdeutlichen die ernste Lage, in der sich Boeing aktuell befindet.
Der Streik der Gewerkschaft IAM, die etwa 33.000 Mitglieder umfasst, hat die Boeing-Standorte rund um Seattle erheblich getroffen. In dieser Region werden wichtige Modelle wie die 737 und der Langstreckenjet 777 gefertigt. Vor allem die Produktion der 737 ist bereits stark im Verzug, was den Druck auf Boeing weiter erhöht. Das Unternehmen kämpft ohnehin mit hohen Verlusten, insbesondere aufgrund einer Serie technischer Pannen. Nach einem Zwischenfall im Januar, bei dem ein Rumpfteil einer fast neuen Maschine abriss, darf Boeing die Produktion der 737-Reihe nicht weiter ausbauen.
Der Streik der IAM-Gewerkschaft ist der erste größere Ausstand bei Boeing seit 2008. Damals dauerte der Streik 57 Tage und verursachte Schätzungen zufolge Kosten in Höhe von etwa zwei Milliarden US-Dollar. Die aktuelle Arbeitsniederlegung könnte für Boeing erneut sehr kostspielig werden, da die Verhandlungen mit der Gewerkschaft bislang ohne Erfolg blieben. Eine kürzlich vorgelegte Vereinbarung, die eine Einkommenserhöhung von 25 Prozent über vier Jahre vorsah, wurde von der Mehrheit der Gewerkschaftsmitglieder abgelehnt. Die Beschäftigten hatten in den vergangenen Jahren kaum Lohnerhöhungen erhalten, während die Lebenshaltungskosten in der Region stetig gestiegen sind.
Die aktuelle Situation zeigt, dass Boeing nicht nur mit internen technischen und finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, sondern auch die Verhandlungen mit der Gewerkschaft entscheidend für die weitere wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens sein werden.
