Boeing-Mitarbeiter stimmen für Streik mit großer Mehrheit
Trotz angebotener Lohnerhöhung von 25 Prozent droht Produktionsstopp in wichtigen US-Werken

Rund 30.000 Boeing-Mitarbeiter haben sich in einem Tarifstreit gegen das Angebot ihres Arbeitgebers entschieden und stimmen für einen Streik. Mit einer überwältigenden Mehrheit von 96 Prozent lehnten sie das Angebot von Boeing ab, das eine 25-prozentige Lohnerhöhung über vier Jahre vorsah. Diese Entscheidung bedeutet, dass bei dem US-amerikanischen Flugzeugbauer erstmals seit 16 Jahren wieder gestreikt werden könnte. Die Gewerkschaft IAM hatte zuvor den Beschäftigten empfohlen, das Angebot anzunehmen, obwohl viele von ihnen das nicht für ausreichend hielten. Dennoch stimmten die Mitglieder der Gewerkschaft dafür, die Arbeit niederzulegen. Ab Mitternacht sollte der Streik beginnen, was mitteleuropäischer Zeit den frühen Morgen des heutigen Tages betrifft.
Dieser Streik betrifft besonders die Werke von Boeing in Seattle und Portland, wo unter anderem der meistverkaufte Jet 737 MAX produziert wird. Die Produktion könnte während des Streiks vollständig zum Stillstand kommen, was die wirtschaftliche Lage des Unternehmens weiter verschärfen könnte. Boeing steht bereits unter erheblichem Druck, da das Unternehmen in den vergangenen Jahren massive finanzielle und technische Probleme hatte. Zuletzt war das Unternehmen tief in den roten Zahlen und ist mit rund 60 Milliarden Dollar verschuldet. Verschiedene technische Mängel, wie zum Beispiel ein Problem an der Kabinenwand eines Flugzeugs vom Typ 737 MAX-9, das mitten im Flug auftrat, hatten zusätzlich das Vertrauen in die Sicherheitsstandards von Boeing erschüttert.
Die Boeing-Führung hatte betont, dass das Angebot einer 25-prozentigen Lohnerhöhung das höchste sei, das sie je gemacht habe. Das Unternehmen befindet sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage, und ein Streik könnte die Erholung des Konzerns gefährden, so der neue CEO Kelly Ortberg. Neben der Lohnerhöhung hatte Boeing den Beschäftigten auch Verbesserungen bei der Elternzeit angeboten. Zusätzlich stellte der Konzern Investitionen in Aussicht, die langfristig Arbeitsplätze in der Region Seattle sichern sollen, indem ein neues Flugzeugmodell entwickelt und gebaut wird.
Dennoch forderten viele Beschäftigte mehr als das angebotene Paket. Sie pochten auf eine ursprünglich geforderte Lohnerhöhung von 40 Prozent, um die Einbußen der letzten 16 Jahre auszugleichen, in denen der alte Tarifvertrag Bestand hatte. Besonders kritisch äußerten sich viele nach der Veröffentlichung der Tarifeinigung durch die Gewerkschaft IAM auf ihrer Facebookseite. Die Ablehnung des Angebots deutet darauf hin, dass die Boeing-Mitarbeiter gewillt sind, weiter für ihre Forderungen zu kämpfen.
