BoE-Politikerin Mann kritisiert Reaktion der Notenbank auf Iran-Schock
Catherine Mann hält die realen Finanzierungsbedingungen für unzureichend restriktiv und sieht die BoE-Kommunikation als Mitverursacher höherer Marktrenditen.

Catherine Mann, externes Mitglied des geldpolitischen Ausschusses (Monetary Policy Committee, MPC) der Bank of England, hat am Donnerstag die Reaktion der britischen Notenbank auf den Schock im Nahen Osten deutlich kritisiert. Nach Manns Einschätzung könnte die Kommunikation der BoE zu einer Verschärfung der Finanzierungsbedingungen beigetragen haben. Für die Beamten der Zentralbank sei das kein Anlass zur Beruhigung.
Im Zentrum ihrer Kritik steht der Anstieg der Kosten der Marktfinanzierung nach Ausbruch des Iran-Krieges. Einige ihrer Kollegen im Ausschuss vertreten die Auffassung, dass dieser Anstieg den Inflationsdruck senkt. Mann widerspricht dieser Lesart klar: Der Anstieg spiegele in Wahrheit Erwartungen einer höheren Inflation sowie möglicherweise einen „Aufschlag für Unsicherheit in der Geldpolitik" wider.
Diesen Unsicherheitsaufschlag führt Mann auf die erste Reaktion der BoE im März auf den Kriegsausbruch im Iran zurück. Damals ließ die Notenbank die Zinsen unverändert und sandte eine Botschaft, die Investoren nach Manns Einschätzung als „Wartemodus" wahrnahmen. Statt der aus ihrer Sicht notwendigen Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung habe die BoE damit abgewartet.
Die Details
Mann äußerte sich in einer Rede beim Nomura London Macro Forum. Dort erklärte sie: „Diese Aufschläge erhöhen die nominalen Renditen, ohne die realen Finanzierungsbedingungen zwangsläufig zu verschärfen, die für Nachfrage und Inflation entscheidend sind. Meiner Ansicht nach sind die realen Finanzierungsbedingungen unzureichend restriktiv."
Die Unterscheidung zwischen nominalen Renditen und realen Finanzierungsbedingungen ist der Kern ihres Arguments. Steigende Nominalrenditen allein bedeuten demnach noch keine restriktive Geldpolitik, weil sie nicht zwangsläufig die Bedingungen verschärfen, die für Nachfrage und Inflation maßgeblich sind. Genau hier sieht Mann eine Lücke in der aktuellen Ausrichtung der BoE.
Mann ist externes Mitglied des MPC und gilt weithin als die schärfste Stimme unter den Politikern der BoE. Ihre Äußerungen fallen in eine Phase, in der innerhalb des Ausschusses offen über den weiteren geldpolitischen Kurs gestritten wird.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 03.07.2026 berichtete aktien.news, dass Catherine Mann eine klare Botschaft gesendet hatte: Sollten steigende Inflationserwartungen infolge des Konflikts zwischen den USA und dem Iran eine Rückkehr der Inflation zum Zielwert von 2 Prozent unwahrscheinlicher machen, wäre sie bereit, für eine Zinserhöhung zu stimmen. Damals verwies sie auf eine Umfrage der BoE zu den Inflationserwartungen der Öffentlichkeit, die im Mai ein Rekordhoch erreicht hatte.
Am 31.07.2026 meldete aktien.news, dass der Chefökonom der BoE, Huw Pill, vor einem schleichenden Aufbau von Inflationsdruck in der britischen Wirtschaft warnte. Als Hauptursache nannte er den durch den Iran-Krieg ausgelösten Anstieg der Energiepreise. Pill hatte sich am Vortag gegen die Mehrheitsentscheidung des MPC ausgesprochen, der mit 6 zu 3 Stimmen für eine Beibehaltung des Leitzinses votierte; gemeinsam mit Catherine Mann und Megan Greene stimmte er für eine Anhebung.
Am 24.09.2026 berichtete aktien.news, dass die BoE-Beamtin Swati Dhingra damit rechnet, dass das volle Ausmaß der langfristigen Inflationsdruckfaktoren aus dem Iran-Krieg erst in den Wintermonaten deutlicher zutage treten wird. Sie sagte das auf einer Konferenz des National Institute of Economic and Social Research (NIESR) und betonte, dass Großbritannien derzeit nicht jene weit verbreiteten Preiserhöhungen erlebe, die das Jahr 2022 geprägt hatten.
Am 26.09.2026 berichtete aktien.news, dass Clare Lombardelli, stellvertretende Gouverneurin der BoE für die Geldpolitik, eine Zinserhöhung als „zunehmend wahrscheinlich" bezeichnete, falls die höheren Energiepreise anhalten. Sie sprach auf einer Konferenz in Warschau und verwies darauf, dass Unternehmen bis dato eine „überraschende Fähigkeit" gezeigt hätten, höhere Energiepreise zu absorbieren.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Debatte vor allem wegen ihrer Signalwirkung relevant. Die BoE zählt zu den großen Notenbanken, und ihr Kurs beeinflusst über Wechselkurse, Anleiherenditen und globale Risikoprämien auch die Bedingungen an den Märkten im Euroraum. Ein anhaltender Streit über den richtigen geldpolitischen Kurs bedeutet mehr Unsicherheit über die künftige Zinsentwicklung.
Besonders aufschlussreich ist Manns Hinweis auf einen „Aufschlag für Unsicherheit in der Geldpolitik". Wenn Investoren eine Prämie für die Unklarheit über den Kurs der Notenbank verlangen, schlägt sich das in höheren Renditen nieder, ohne dass dies zwingend die realen Finanzierungsbedingungen verschärft. Anleger sollten daher genau zwischen nominalen Renditen und tatsächlichen Finanzierungsbedingungen unterscheiden, wie Mann es tut.
Für Zinspapiere, Aktien und Währungen gilt: Solange die BoE als im „Wartemodus" wahrgenommen wird, können zusätzliche Schwankungen entstehen. Eine klarere Kommunikation würde laut Mann die Risikoprämien reduzieren – ein Aspekt mit unmittelbarer Marktrelevanz. Dabei ist zu beachten, dass Mann die realen Finanzierungsbedingungen für unzureichend restriktiv hält und damit eine straffere Ausrichtung befürwortet.
Ausblick
Feste Termine, Pläne oder Prognosen enthält der Quelltext nicht. Klar ist, dass Mann ihre Haltung öffentlich gemacht hat und die realen Finanzierungsbedingungen weiterhin für unzureichend restriktiv hält. Sollten die Inflationserwartungen weiter steigen, hat sie bereits signalisiert, für eine Zinserhöhung zu stimmen. Innerhalb des MPC bleibt der Kurs umstritten, wie die früheren Abstimmungen und Wortmeldungen zeigen. Wie sich der Ausschuss letztlich entscheidet, lässt sich aus den vorliegenden Informationen nicht ableiten.
Kurz erklärt
- Monetary Policy Committee (MPC): Das Gremium der Bank of England, das über den Leitzins und die geldpolitische Ausrichtung entscheidet.
- Inflation: Anhaltender Anstieg des allgemeinen Preisniveaus, der die Kaufkraft des Geldes verringert.
- Reale Finanzierungsbedingungen: Die um die Inflation bereinigten Kosten der Geldaufnahme, die für Nachfrage und Preisentwicklung entscheidend sind.
