BNP Paribas kauft HSBC-Privatkundensparte in Deutschland
Die französische Großbank verdoppelt ihr Vermögen und stärkt ihre Präsenz im Rheinland

BNP Paribas hat bekanntgegeben, dass sie die Privatkundensparte der HSBC in Deutschland übernimmt. Diese Übernahme ist Teil einer größeren Strategie der französischen Großbank, ihr Geschäft mit vermögenden Privatkunden in Deutschland stark auszubauen. Durch den Erwerb dieser Sparte wird BNP Paribas ihr verwaltetes Vermögen in Deutschland auf über 40 Milliarden Euro verdoppeln. Vincent Lecomte, der CEO von BNP Paribas Wealth Management, bezeichnete den Deal als einen entscheidenden Schritt, um BNP Paribas in Deutschland als führenden Anbieter im Bereich Wealth Management zu positionieren.
Für BNP Paribas ist das Private Banking ein zentraler Bestandteil ihrer Deutschlandstrategie. Über die Kontakte zu vermögenden Privatkunden will die Bank auch ihr Geschäft mit mittelständischen Familienunternehmen stärken. Ende 2023 hatte Lecomte in einem Interview das Ziel geäußert, zu den fünf größten Privatbanken in Deutschland zu gehören. Mit dieser Übernahme sieht er das Unternehmen in Reichweite, dieses Ziel zu erreichen.
Der Abschluss der Übernahme ist für die zweite Jahreshälfte 2025 geplant. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht, allerdings spekuliert die französische Wirtschaftszeitung „Les Échos“, dass dieser zwischen 300 und 600 Millionen Euro liegen könnte. Lutz Diederichs, der Deutschlandchef von BNP Paribas, bezeichnete den Kauf als eine „einzigartige Chance“, da sich auf dem deutschen Markt seit mindestens einem Jahrzehnt keine Gelegenheit in dieser Größenordnung ergeben habe, Kundenstamm und Mitarbeiter zu übernehmen.
Die Übernahme ist auch Teil der Bemühungen von BNP Paribas, ihre Präsenz in Deutschland weiter auszubauen. Bereits seit 2009 arbeitet die Bank an ihrem deutschen Privatbankgeschäft und hat es seit 2018 stark erweitert. Vor der Übernahme zählte BNP Paribas bereits rund 20 Prozent der reichsten Familien Deutschlands zu ihren Kunden. Besonders durch die regionale Ergänzung der Standorte von BNP und HSBC erhofft sich das Unternehmen Vorteile. Die beiden Institute sollen an acht deutschen Standorten ihre Aktivitäten bündeln, wobei BNP zusätzlich Büros in Baden-Baden und Düsseldorf erhält. Besonders von einer stärkeren Präsenz im Rheinland verspricht sich BNP Paribas viel.
Diese Übernahme zeigt, wo BNP Paribas ihre Prioritäten im deutschen Markt setzt. Spekulationen, dass sich die Bank in den Übernahmepoker um die Commerzbank einmischen könnte, wies das Institut zurück. Stattdessen setzt BNP Paribas auf organisches Wachstum und gezielte Zukäufe, wie kürzlich bei der Übernahme der Vermögensverwaltung des Versicherers Axa oder jetzt mit der HSBC-Transaktion.
