BMW zwischen Brüssel und Peking
Wie der Autobauer im Zollstreit klare Positionen bezieht und Druck aufbaut

Das Diaoyutai State Guesthouse in Peking, sonst Staatsgästen vorbehalten, wurde auch in diesem Jahr für das „China Development Forum“ geöffnet. Zahlreiche internationale Wirtschaftsvertreter nahmen daran teil, darunter auch führende Repräsentanten deutscher Unternehmen. BMW nutzte das Forum, um sich im globalen Zollkonflikt deutlich zu positionieren. Sean Green, BMWs Chinachef, sprach sich klar gegen Zölle aus und betonte die Unterstützung des Konzerns für freien Handel. Seine Aussagen richteten sich dabei nicht gegen die USA, sondern in erster Linie an die Europäische Union.
Im vergangenen Jahr hatte die EU Strafzölle gegen chinesische Elektrofahrzeuge eingeführt, mit dem Hinweis auf staatlich geförderte Überkapazitäten in China. Die chinesische Regierung unterstützt ihre Elektroautoindustrie umfassend – von der Rohstoffgewinnung bis zu direkten Kaufanreizen. Diese Subventionen erschweren den deutschen Automobilherstellern zunehmend das Geschäft im Reich der Mitte. BMW sieht sich in einer Doppelrolle: Einerseits importiert der Konzern Fahrzeuge nach China, andererseits exportiert er von dort auch in andere Märkte, insbesondere nach Europa.
Insbesondere der Export der in China gefertigten Mini-Elektromodelle ist betroffen. Diese Fahrzeuge unterliegen den europäischen Strafzöllen, die seit Oktober 2024 zwischen 7,8 und 35,3 Prozent betragen. BMW sehe sich dadurch als „Opfer von Zöllen“, so Green. Die Handelsbarrieren erschweren den Absatz deutlich: Während 2017 noch 370.000 Modelle ausgeliefert wurden, sank die Zahl im vergangenen Jahr auf 244.000 Fahrzeuge.
Die EU-Kommission wird noch in dieser Woche zu Gesprächen in Peking erwartet. BMWs öffentliche Positionierung dürfte auch darauf abzielen, Brüssel zur Überprüfung der Zölle zu bewegen. Die Wahl Donald Trumps und dessen Ankündigung neuer Strafzölle auf Autoimporte aus dem Ausland verstärkt den Druck zusätzlich. Mit Blick auf den protektionistischen Kurs Washingtons könnten EU und China wirtschaftlich enger zusammenrücken.
In diesem Zusammenhang traf sich Chinas Handelsminister Wang Wentao kürzlich mit BMW-CEO Oliver Zipse in Peking. Wang forderte Zipse auf, aktiv an einer Lösung mitzuwirken, um ein internationales Signal gegen Protektionismus zu senden. BMWs Gewinneinbruch von 37 Prozent zuletzt ist auch auf das schwache China-Geschäft zurückzuführen. Als Anbieter im Premium-Segment ist BMW zwar weniger direkt von chinesischer Konkurrenz betroffen als andere Hersteller, doch ein eskalierender Handelskonflikt liegt auch für das Münchner Unternehmen nicht im Interesse.
